Verkehr : Ostdeutsche Eisenbahn legt die Hälfte ihrer Züge still

Nach der S-Bahn in Berlin hat es jetzt auch Nebenbahnen in Brandenburg erwischt. Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH und die Prignitzer Eisenbahn mussten Züge aus dem Verkehr nehmen.

Klaus Kurpjuweit
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Außer Betrieb. Fahrzeuge dieses Typs musste die Ostdeutsche Eisenbahn am Montag stilllegen. Diese Bahnen für Regionalstrecken sind...

BerlinDas aufsichtsführende Eisenbahn-Bundesamt hat am späten Montagabend wegen Sicherheitsbedenken bundesweit Fahrzeuge sofort aus dem Verkehr ziehen lassen, so dass am Dienstag der Betrieb erheblich eingeschränkt worden war, was auch für die nächsten Tage gelten wird. Betroffen sind in der Region zwei Eisenbahnunternehmen: die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) und die Prignitzer Eisenbahn.

Nach mehreren Bränden von sogenannten Regioshuttle-Fahrzeugen ordnete das Eisenbahn-Bundesamt an, dass die Abgasturbolader dieser Züge sofort durch fabrikneue ersetzt werden müssen, wenn die Bahnen mehr als 360 000 Kilometer zurückgelegt haben.

Betroffen ist vor allem die Ostdeutsche Eisenbahn, die Nebenstrecken östlich von Berlin befährt. Sie musste die Hälfte ihrer 23 Fahrzeuge aus dem Betrieb nehmen. Alle Züge verkehrten deshalb nur mit einem Fahrzeug; im Normalbetrieb werden zu Hauptverkehrszeiten auch Züge mit zwei Triebwagen gebildet. Ersatzverkehr mit Bussen gab es auf der Strecke Fürstenwalde–Bad Saarow. Ausgefallen sind die Fahrten zwischen Königs Wusterhausen und Schöneweide.

Auch die Prignitzer Eisenbahn setzte gestern auf der Strecke von Templin nach Berlin-Lichtenberg nur noch einen Zug ein; alle zwei Stunden fährt dort ein größeres Fahrzeug der Bahn AG. Auf den Nebenstrecken in der Prignitz waren wieder alte Schienenbusse unterwegs.

In den vergangenen Jahren hat es nach Angaben des Eisenbahn-Bundesamtes bei zehn Fahrzeugen Brände gegeben, die sich zuletzt gehäuft hätten. Auch am Montagabend mussten Fahrgäste in Hohenschönhausen einen Triebwagen dieser Baureihe der Prignitzer Eisenbahn verlassen, weil Rauch festgestellt worden war. Die Ursache hierfür sei noch nicht geklärt, sagte Unternehmenssprecherin Longina Becken.

Völlig ausgebrannt war dagegen am 16. Juni ein Triebwagen im Bahnhof Nassenheide. Ein angekuppeltes Fahrzeug wurde schwer beschädigt.20 bis 30 Fahrgäste konnten den Zug rechtzeitig verlassen. Eine weitere Bahn eines anderen Unternehmens hatte dann am 24. Juni in Tübingen Feuer gefangen.

Nachdem klar geworden sei, dass fast immer ein Schaden im Abgasturbolader die Ursache der Brände gewesen sei, habe man angeordnet, die Geräte nach 360 000 Kilometern auszutauschen, sagte der Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes, Ralph Fischer. Anders als bei der Berliner S-Bahn, deren mehrfache Brände bei einem Fahrzeugtyp verschiedene Ursachen gehabt hätten, habe man jetzt einschreiten müssen.

Die Prignitzer Eisenbahn hatte nach Angaben von Sprecherin Becken nach dem Brand in Nassenheide begonnen, die Abgasturbolader auszutauschen, weil man einen Defekt dort als Ursache des Feuers nicht ausgeschlossen habe. Gestern ging ein Fahrzeug mit neuer Anlage wieder in Betrieb, bei zwei weiteren stehe der Austausch noch bevor. Auch die ODEG hatte den Austausch nach dem Brand in Tübingen bereits vorbereitet, sagte Sprecher Jörg Kiehn. Ein Austausch sei nach den Betriebsvorschriften bisher nicht vorgesehen gewesen.

Heute sollen wieder 15 Züge im Einsatz sein, so dass auf den Ersatzverkehr mit Bussen verzichtet werden könne. Normalbetrieb sei erst in einigen Tagen möglich.

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