Verkehrsplanung : Mit der Tram nach Polen

In drei Jahren könnte eine neue Straßenbahnlinie von Frankfurt (Oder) nach Slubice führen.

Andreas Wilhelm

Frankfurt (Oder) - Die Zeichen für den Versuch, eine Straßenbahnlinie von Frankfurt (Oder) über den Grenzfluss nach Slubice zu bauen, stehen günstiger als noch vor einigen Jahren. Zwar ist die Hoffnung gesunken, dass das Projekt zu 100 Prozent mit EU-Geldern finanziert werden kann, wie es die Kommunalpolitiker noch vor einigen Tagen glaubten. Doch auch mit 85 Prozent Fördergeldern rechnet sich die Stadt einige Chancen für das Projekt aus.

Für Frankfurt (Oder) würde sich die neue Verkehrsverbindung lohnen: Auf einen Schlag nämlich hätten die Verkehrsbetriebe knapp 20 000 neue Kunden. Slubice, so schwärmt Fred Bernau, leitender Mitarbeiter der Stadtverkehrsbetriebe, wäre wie ein neues Wohngebiet an das rund 60 000 Einwohner zählende Frankfurt auf dem Schienenweg angeschlossen. Rathaus und Handel versprechen sich eine Belebung der Innenstadt, polnische Studenten hätten es leichter, in die Europauniversität Viadrina zu kommen. Und zu guter Letzt spart sich Frankfurt die aufwendige Sanierung einer Wendeschleife, wie Häseker erklärt. Die Erneuerung der Gleise in die kaum frequentierte Lebuser Vorstadt hätte während der kommenden Jahre angestanden. So könne man sich den Weg sparen und die Gleise in Richtung Oder verlegen.

Auch die polnische Stadt würde profitieren. Durch eine Streckenführung an die entsprechenden Highlights in Slubice würden das dortige Stadion und die Golfanlage neue Kunden bekommen. Per Tram könnten die Einwohner der Stadt schneller den Hauptbahnhof in Frankfurt erreichen, mit dem es dann auf schnellstem Wege nach Berlin ginge. Frankfurts Bürgermeister Martin Patzelt (CDU) rechnet damit, dass frühestens in drei Jahren die Gleise liegen. Eine Arbeitsgemeinschaft mit Vertretern aus beiden Städten hat bereits eine Studie für die Strecke in Auftrag gegeben. Bis es soweit ist, soll nun nach dem Vorschlag von Bürgermeister Patzelt eine Buslinie eingerichtet werden, um „den Bedarf unter Beweis zu stellen“. Mehr als 4000 Fahrgäste in jede Richtung werden nach den Schätzungen der Verkehrsbetriebe täglich zusammenkommen.

Doch auch die Busstrecke lässt sich nicht so schnell realisieren, wie Fred Bernau von den Verkehrsbetrieben erläutert. Weil es sich um eine grenzübergreifende Linie handelt, müssen das Landesamt für Verkehr in Hoppegarten, das Verkehrsministerium in Berlin und die entsprechenden Behörden in Warschau und Slubice ihre Stellungnahmen abgeben. Mit einer erneuten Bürgerinitiative gegen die Tram wie vor vier Jahren, sagt Stadtsprecher Häseker, rechnet man im Rathaus nicht. Es ist politisch gewollt, sagt auch die Grünen-Abgeordnete für Brandenburg im EU-Parlament Elisabeth Schroedter, „nun müssen nur noch die Bürger es wollen“.

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