Vermittlungsagentur : Altbauflair statt Hotelflure: Wohnen auf Zeit

Ferienwohnungen, Boarding Houses, Aparthotels – in Berlin haben Vermittlungsagenturen Konjunktur.

Christian Hunziker

Als Anton Richling (Name von der Redaktion geändert) ein Jobangebot in München bekam, war für ihn klar, dass er so bald wie möglich wieder nach Berlin zurückkehren wollte. Seine Zwei-Zimmer-Eigentumswohnung im Bayerischen Viertel wollte der Innenarchitekt deshalb nicht unbefristet vermieten. Statt dessen bot er sein Apartment möbliert über eine Vermittlungsagentur für einen Zeitraum von einem bis drei Monaten zur Miete an – mit Erfolg: Mal mietete sich ein Schauspieler mit befristetem Engagement ein, mal ein Medienschaffender, der mit seinem Verlag nach Berlin umzog und in Ruhe nach einer dauerhaften Bleibe suchen wollte.

So wie Richling machen es zahlreiche Berliner. Das Geschäft mit dem befristeten Wohnen boomt – gerade in der Hauptstadt. Dabei werden längst nicht mehr nur möblierte WG-Zimmer im Ikea-Look angeboten, sondern auch perfekt ausgestattete Gründerzeitwohnungen und schicke Villenetagen. Denn viele Berufstätige, vom Praktikanten bis zum Manager, haben einige Wochen oder Monate in der Stadt zu tun und sind froh, diese Zeit in einer Wohnung statt im Hotel zu verbringen – und dabei auch noch Geld zu sparen.

Das Geschäftsfeld entdeckt haben zahlreiche Agenturen, die solche Wohnungen über das Internet anbieten. Sie fungieren als Makler und lassen sich ihre Dienste vom Mieter bezahlen. Die City-Wohnen Deutschland GmbH zum Beispiel berechnet bei einer Mietdauer von einem Monat eine Provision von 25 Prozent einer Monatsmiete. Für jeden weiteren Monat Mietdauer kommen 20 Prozent einer Monatsmiete hinzu. Der Anbieter der Wohnung dagegen kann die Dienste der Agentur kostenlos in Anspruch nehmen.

Dabei gelten die gleichen Regeln wie bei jedem normalen Mietvertrag, wie Ulrich Ropertz, Pressesprecher des Deutschen Mieterbundes, sagt: Die Provision darf höchstens zwei Monatsmieten betragen, die Kaution nicht mehr als drei Monatsmieten. Diese Kaution überweist der Mieter direkt an den Vermieter – denn das Mietverhältnis gilt zwischen diesen beiden; die Agentur ist lediglich für die Vermittlung zuständig.

Was aber, wenn es zu Konflikten zwischen Mieter und Vermieter kommt? „Wir sind zwar kein Vertragspartner, aber wenn die beiden Seiten nicht mehr miteinander kommunizieren, helfen wir gerne“, sagt Wilhelm Eisenbach, Geschäftsführer von City-Wohnen. Streitvermeidend wirken auch andere Maßnahmen der Agentur: Sie stellt ein Mietvertragsformular zur Verfügung und bietet darüber hinaus eine spezielle Haftpflichtversicherung an. Denn, so Eisenbach: „Viele Versicherungen haften in diesem Fall nicht.“ Übergeben werden sollte die Wohnung stets mit einem Übergabeprotokoll und einer Inventarliste, empfiehlt der Fachmann.

Ob eine Agentur seriös arbeitet, zeigt sich unter anderem daran, wie aktuell ihre Angebote sind – schließlich ist es für den Mietinteressenten höchst ärgerlich, wenn er erfährt, dass seine Wunschwohnung schon lange vergeben ist. Die City-Wohnen GmbH nimmt zudem nur Wohnungen in ihre Kartei auf, die zuvor ein Mitarbeiter auf ihre Qualität hin untersucht hat. Wohnungen mit Ofenheizung zum Beispiel akzeptiert die Agentur nicht.

Wer aber darf überhaupt Wohnungen zur kurzzeitigen Miete anbieten? Für Wohnungseigentümer steht dem nach Angaben von Gabriele Heinrich vom Verein Wohnen im Eigentum nichts entgegen, es sei denn, die Teilungserklärung schließe dieses Vorgehen explizit aus. Komplizierter ist es für Mieter, die ihre Wohnung untervermieten wollen: Sie müssen laut Mieterbund-Sprecher Ropertz in jedem Fall den Eigentümer um Erlaubnis fragen. Wenn nur ein Teil der Wohnung untervermietet werden soll, haben sie einen Anspruch auf Zustimmung, sofern sie ein berechtigtes Interesse nachweisen können. Bei der Untervermietung der ganzen Wohnung dagegen ist der Mieter auf das Wohlwollen des Vermieters angewiesen.

Dass das Geschäft mit dem Wohnen auf Zeit boomt, haben mittlerweile auch professionelle Projektentwickler gemerkt. So errichtet derzeit die Schweizer Peach Property Group in der Chaussee- straße im Rahmen des Projekts „Living 106“ gut 50 Serviced Apartments von bis zu 66 Quadratmeter Größe. Diese Apartments werden an Kapitalanleger verkauft, die sie dann über eine Agentur an Kurzzeit-Berliner vermieten. Vorgesehen sind ein Concierge und Dienstleistungen wie Wäscheservice und Einkaufsdienste. „Die Bewohner haben den gleichen Komfort wie im Hotel, aber mehr Privatsphäre“, beschreibt Peach-Chef Thomas Wolfensberger das Konzept.

„Serviced Apartments werden zunehmend nachgefragt“, beobachtet auch Carsten Sellschopf, Leiter der Berliner Niederlassung von Hochtief Projektentwicklung. Allerdings versteht er unter dem Begriff etwas anderes als Wolfensberger: Sein Unternehmen stellt gerade am Platz vor dem Neuen Tor ein Gebäude fertig, das die australische Gruppe Toga Hospitality im November unter dem Namen Adina Apartment Hotel eröffnen wird. Dieses Boardinghouse bietet Apartments an, die wie Hotelzimmer gebucht werden können. Die Mietdauer beträgt meist einige Wochen oder Monate; man kann sich aber auch für eine einzige Nacht einmieten. Das Geschäft läuft offenbar gut – Adina betreibt bereits am Checkpoint Charlie ein solches Haus und wird Mitte 2010 ein drittes im Hackeschen Quartier eröffnen.

Anton Richling beunruhigt diese Konkurrenz nicht mehr. Der Innenarchitekt ist mittlerweile nach Berlin zurückgekehrt, wohnt wieder in seiner Wohnung im Bayerischen Viertel und blickt auf gute Erfahrungen zurück: Seine Wohnung war fast immer vermietet, Mietausstände gab es nicht – und die Mieter fühlten sich wohl.

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