Der Tagesspiegel : Vernachlässigte Kinder: Eltern und Fürsorger angeklagt

Sandra Dassler

Blankenfelde - An einem kalten Januarabend dieses Jahres fanden Polizisten zufällig zwei kleine Jungen in einem ungeheizten und verdreckten Hausanbau in Blankenfelde. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Luckenwalde Anklage gegen die Eltern der Kinder und gegen eine 58-jährige Sozialarbeiterin des zuständigen Jugendamts erhoben. Die Angeklagten müssen sich wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht verantworten. Im Höchstfall drohen ihnen drei Jahre Haft.

Der Fall schockierte damals viele. Zum einen, weil die Eltern die vier und sechs Jahre alten Kinder im kalten Anbau schlafen ließen, während sich ihre vier Hunde im warmen Wohnzimmer aufhielten. Zum anderen, weil das Jugendamt von Teltow-Fläming die Kinder von Geburt an betreute. Jugendamtsleiterin Andrea Staeck berichtete nach Bekanntwerden des Falls, es sei „offenkundig gewesen, dass die Eltern einige Probleme mit der Versorgung ihrer Kinder hatten“. Deshalb brachte man beide Jungen ganztägig in einer Kita unter. Dort fiel auf, dass sie oft ungewaschen waren. Die Erzieherinnen meldeten dies auch dem Jugendamt, das beließ es aber bei Gesprächen mit den Eltern. Hausbesuche hätten diese abgelehnt, hieß es. Auch Nachbarn erzählten, dass sie öfter das Jugendamt verständigten, weil die Kinder augenscheinlich verwahrlosten. Aber wegen der Kampfhunde habe sich niemand vom Jugend- oder Ordnungsamt auf das Grundstück getraut.

Dass Schlimmeres nur durch das zufällige Auffinden der Kinder verhindert wurde – die Polizei suchte in jener Nacht eigentlich nach einem Straftäter – steht für die Staatsanwaltschaft außer Frage. So betrug die Temperatur in dem ungeheizten Raum nur zwei, die Körpertemperatur der Kinder nur noch 35Grad Celsius. Nach der Behandlung im Krankenhaus kamen die Brüder in eine Pflegefamilie. Ihr 39-jähriger Vater und ihre 27-jährige Mutter wiesen in der Öffentlichkeit jede Schuld zurück. Nachdem sie verschiedene Auflagen des zuständigen Gerichts erfüllt hatten, kehrten die Jungen im späten Frühjahr zu ihnen zurück. Der Prozess wird erst im nächsten Jahr am Amtsgericht Zossen beginnen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben