Versicherer : Münchner Rück will neue Höhen erklimmen

Die Zurückhaltung ist gewichen: trotz Flutkatastrophe in England und Orkan Kyrill peilt der die Münchner Rück einen Rekordgewinn für das laufende Geschäftsjahr an. Das Ergebnis aus dem Vorjahr soll nochmals getoppt werden.

Münchner Rück Foto: ddp
Wie der "Walking Man" vor der Firmenzentrale will sich die Münchner Rück zu neuen Ergebnishöhen aufschwingen. -Foto: ddp

MünchenDer weltweit zweitgrößte Rückversicherer Münchener Rück nimmt nach anfänglicher Vorsicht 2007 nun doch einen Rekordgewinn ins Visier. Konzernchef Nikolaus von Bomhard nannte ein neues Gewinnziel von 3,5 bis 3,8 Milliarden statt wie bisher 3,0 bis 3,2 Milliarden Euro. "Wir sind bisher so gut unterwegs, dass wir unser Ergebnisziel erhöhen und mit dem Einmalertrag aus der Steuerreform sogar ein neues Rekordergebnis anpeilen können", sagte der Münchener-Rück-Chef. 2006 hatte das Unternehmen mit 3,5 Milliarden Euro den bisher höchsten Überschuss seiner Geschichte erreicht. Auch wegen der Belastungen aus dem Orkan "Kyrill", der im Januar weite Teile Europas verwüstete, hatte sich der Konzern zunächst auf einen Gewinnrückgang eingestellt.

Trotz der Dollarschwäche sei nur mit leicht rückläufigen Beitragseinnahmen zu rechnen, erklärte das Unternehmen. Im vergangenen Jahr hatte die Münchener Rück Bruttobeiträge von 37,4 Milliarden Euro verbucht, nun peilt das Unternehmen 36,5 bis 37,5 Milliarden Euro an. Für das dritte Quartal stellt sich der Konzern derweil wegen des Erdbebens in Japan, der verheerenden Flut in Großbritannien und wegen des Flugzeugunglücks in Brasilien auf mögliche Belastungen im jeweils zweistelligen Millionen-Euro-Bereich ein. Alle drei Katastrophen hatten sich im Juli ereignet.

USA-Geschäft stabil - Kyrill drückte Gewinn im ersten Halbjahr

Im ersten Halbjahr drückten höhere Schäden vor allem durch den Wintersturm "Kyrill" das operative Ergebnis, das von 3,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 2,8 Milliarden Euro zurückging. Dadurch erhöhte sich auch die im Versicherungsgeschäft wichtige Schaden-Kosten-Quote in der Rückversicherung von 91,6 Prozent im Vorjahr auf 98,4 Prozent im ersten Halbjahr 2007. Je weiter diese Quote unter 100 Prozent liegt, desto profitabler arbeiten Versicherer. Unter dem Strich konnte die Münchener Rück aber dank eines Steuereffekts vor allem in den USA ihren Gewinn bei 2,1 Milliarden Euro stabil halten. Die gebuchten Bruttobeiträge verringerten sich um 0,7 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro.

Auch im dritten Quartal erwartet der Konzern durch die Unternehmenssteuerreform und das Jahressteuergesetz 2008 positive Ergebniseffekte in Höhe von rund 400 Millionen Euro. Weitere Fortschritte verspricht sich von Bomhard zudem von dem im März aufgelegten Umbauprogramm "Changing Gear". Dieses sei nicht nur für wenige Monate ausgelegt, betonte von Bomhard laut Mitteilung. Trotzdem habe man bereits in kurzer Zeit viel erreicht. "Wir wollen weltweit der profitabelste Rückversicherer sein. Als Erstversicherer erschließen wir Geschäftssegmente und Märkte mit großem Wachstumspotenzial, gerade auch im Ausland." (mit dpa)