Versuch in Ketzin : "Klimakiller" CO2 kommt unter die Erde

Wohin mit dem Klimakiller CO2? Das Geoforschungszentrum Potsdam hat da eine - zumindest für das europäische Festland - neue Antwort parat: Das Treibhausgas wird bei der Kohleverbrennung abgeschieden und dann unter die Erde gepumpt. Ob diese CO2-Speicherung dem Klima wirklich hilft, ist allerdings umstritten.

Unterirdische Lagerung von Kohlendioxid beginnt
Überwacht Armaturen eines CO2 Tanks in Ketzin: Diplom-Ingenieur Fabian Möller -Foto: dpa

Ketzin Erstmals auf dem europäischem Festland ist das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) am Montag in Ketzin (Brandenburg) unter die Erdoberfläche gepumpt worden. Es soll künftig bei der Kohleverbrennung in Kraftwerken abgeschieden und dann in 700 Meter Tiefe gelagert werden. Die Betreiber erhoffen sich von der unterirdischen Lagerung des "Klimakillers" eine umweltfreundlichere Energieerzeugung. Jetzt werde beobachtet, wie sich das Gas in der Sandsteinschicht ausbreite, sagte Projektleiter Frank Schilling vom Geoforschungszentrum Potsdam, der die sogenannte CO2-Injektion startete. An dem 20-Millionen-Euro-Projekt sind 18 europäische Partner beteiligt. Die Finanzierung haben die EU, der Bund und Konzerne übernommen. Bis 2010 sollen 60.000 Tonnen CO2 in die Tiefe gepumpt werden. Durch drei Bohrlöcher - eines für die Einleitung, zwei weitere zur Beobachtung - ist die Entwicklung des Gases in der porösen Sandsteinschicht dreidimensional zu verfolgen. Das sei eine Weltpremiere, meinte Schilling.

Erwartungen zurückschrauben

Bei ähnlichen Projekten in Algerien, Kanada, Australien und vor der norwegischen Küste habe es nur ein oder zwei Bohrlöcher gegeben. Ob das ambitionierte Vorhaben in Ketzin dem Klima wirklich hilft, ist allerdings noch völlig offen. Projektleiter Schilling schraubte die Erwartung zurück. "Die CO2- Speicherung ist keine Methode zur Lösung des weltweiten Klimaproblems", betonte er. Bis 2030 sei weltweit der Bau von 3000 neuen Kohlekraftwerken geplant, besonders in China. Dort könnte die Technologie schlimme Folgen für das Klima verhindern. "Es ist eine Brückentechnologie, die uns für die Entwicklung alternativer Energien einen Zeitgewinn verschaffen könnte."

Schon von weitem sind in Ketzin zwei riesige weiße Gastanks zu sehen, um die sich die drei Bohrlöcher gruppieren. Rund 100 Wissenschaftler, Politiker und Medienvertreter kamen am Montag zum feierlichen Start der entscheidenden "Injektionsphase". Das innovative Energieprojekt werde "weltweit mit Spannung verfolgt", hieß es in einer Erklärung von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Zudem verdeutliche es die Vorreiterrolle des Landes bei der Erforschung alternativer Energieerzeugung. Während in Ketzin die Lagerung von CO2 in der Tiefe erprobt wird, wird der überirdische Abscheidungsprozess des Abgases bei der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) von Forschern in Cottbus erprobt. Außerdem will der Energiekonzern Vattenfall Anfang September in Spremberg ein 30-Megawatt- Kohlekraftwerk mit der CCS-Technik als Pilotprojekt in Betrieb nehmen. 2020 könnte dann eine größere, kommerziell nutzbare Anlage folgen.

Umweltschützer halten derweil nicht viel von der CO2-Speicherung. Sie sei unrealistisch und wecke falsche Hoffnungen, meinte etwa die Klimaexpertin von Greenpeace, Gabriela von Goerne. "Niemand weiß genau, ob riesige Mengen CO2 langfristig und sicher im Untergrund bleiben." Die Energiewirtschaft benutzte das Projekt als Rechtfertigung zum Bau neuer Kohlekraftwerke. (mfa/dpa)