Der Tagesspiegel : "Vertreibung ins Paradies"

Daniela Dahn zu den Prozessen in Waldheim: "Ich gehe nicht soweit, die Waldheim-Richter für ihr Vorgehen zu verteidigen, aber aus dem Verständnis der damaligen Zeit verurteile ich sie auch nicht.Wie sie heute gnadenlos verfolgt werden, empört mich.Ich fühle mich geradezu gedemütigt, wenn der Bundestag, das Parlament des Staates, der Rechtsnachfolger des Dritten Reiches ist, anders als die letzte Volkskammer der DDR, ohne Einzelfallprüfung alle Verurteilten von Waldheim rehabilitiert....In dieser Bundesrepublik genügt es, von Kommunisten verurteilt worden zu sein, um als Faschist voll rehabilitiert zu werden....Die Forderung, man hätte formaljuristisch perfekte Prozesse führen sollen, ist unhistorisch, lebensfremd, fanatisch - unmenschlich.(Vertreibungs ins Paradies, 1998)

Zu verschiedenen Wertvorstellungen in Ost und West: "Ein markanter Unterschied hat sich inzwischen herumgesprochen: Der Mehrheit der Ostdeutschen ist die soziale Chancengleichheit ein höherer Wert als die Freiheit, für die Westdeutschen ist es umgekehrt.Oder anders ausgedrückt: Die einen fühlen sich bei starken sozialen Spannungen unfrei, die anderen offenbar nicht.Das läßt auf ein sehr unterschiedliches Verständnis von Menschenrechten schließen." (Vertreibung ins Paradies, 1998)

In einem Zeitungsinterview 1994 zu ihrem Buch "Wir bleiben hier oder wem gehört der Osten": "Ich wollte einigen fest eingeführten Legenden eigene Interpretationen gegenüberstellen.Zum Beispiel der Legende von den mangelnden politischen Alternativen, nach der die Bürger durch ihre Wahl am 18.März 1990 bekundet hätten, daß sie die Einheit genau so, auch so schnell, gewollt haben.Oder der Legende vom bevorstehenden Bankrott der DDR-Wirtschaft, der keinen anderen Weg als den der schnellen Währungsunion zugelassen hätte.Oder der Legende, nach der die jetzigen Eigentumsregelungen aus vom Grundgesetz abgeleiteten juristischen Notwendigkeiten erfolgt sind.In Wirklichkeit waren all das keine Sach-, sondern Machtentscheidungen, die an den Abgeordneten, und damit am Wähler vorbei, durch die Parlamente gejagt wurden."

Zur Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen: "Alle Wege führen zu Gauck? Es kann doch nicht sein, daß dieser Theologe ...soviel feudale Macht über Bespitzelte in sich vereint.Das kann er doch selbst nicht wollen.Denn eine Lehre aus den Akten müßte doch unverkennbar sein: Wenn Herrschaftswissen in einer Hand ist, wird Mißbrauch unvermeidbar....Und die Behörde nutzt ihre unkontrollierten Spielräume.Es ist nur zu offensichtlich, daß Demontagen hauptsächlich gegenüber solchen "Personen der Zeitgeschichte" vorgenommen werden, die sich dem herrschenden Zeitgeist bis heute nicht gebeugt haben." (Vertreibung ins Paradies)

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