Vertriebene : Dokumentationszentrum in Berlin ohne Erika Steinbach

CDU und SPD haben sich unter Auflagen auf die Finanzierung eines Dokumentationszentrums in Berlin zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges geeinigt. Auch der Ort soll bereits feststehen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) haben sich offenbar darauf verständigt, in Berlin ein Dokumentationszentrum zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs zu schaffen. "Es wird eine unselbstständige Stiftung unter dem Dach des Deutschen Historischen Museums in Berlin sein", sagte Thierse der "Süddeutschen Zeitung". Der Gedenkort solle vollständig vom Bund finanziert werden. Für das nächste Jahr sei für die Planungen ein Budget von 1,2 Millionen Euro vorgesehen, sagte ein Sprecher des Kulturstaatsministers.

Im Gespräch für den Erinnerungsort, der neben einer historischen Ausstellung auch Seminarräume und ein künstlerisches Element des Gedenkens enthalten soll, ist dem Bericht zufolge eine Ausstellungsfläche von mehr als 18.000 Quadratmetern. Das Dokumentationszentrum könnte im Deutschen Haus am Anhalter Bahnhof untergebracht werden. Thierse rechnet damit, dass es "noch in diesem November oder Dezember" dem Kabinett zur Zustimmung vorgelegt werden kann.

"Bund der Vertriebenen nicht beteiligt"

Thierse sagte: "An dem Projekt, das die Bundesregierung verwirklicht, ist der Bund der Vertriebenen nicht beteiligt." Die SPD habe ihre Zustimmung offenbar davon abhängig gemacht, dass die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, keine führende Rolle bei der Konzeption der Dokumentationsstätte übernimmt. "Wir werden alle dafür tun, dass es keine Vermischung der Projekte gibt", sagte Thierse.

Geplant sei zunächst eine Ausstellung, die auf der erfolgreichen Vertriebenen-Ausstellung im Bonner Haus der Geschichte aufbaut. Ein international besetztes Symposium von Wissenschaftlern solle das Konzept der Bundesregierung weiterentwickeln. Auch die Erfahrungen deutscher Heimatvertriebener würden in beratenden Gremien berücksichtigt, sagte Thierse. (mit ddp)