Verwahrloste Kinder : Babybegrüßungsdienst in Potsdam gut gestartet

Unterstützung bei Behördenkram oder Infos zu Kindertagesstätten - Der Babybegrüßungsdienst in Potsdam hilft jungen Potsdamer Müttern in ihrer neuen Situation. Damit will das Jugendamt einer möglichen Verwahrlosung von Kindern vorbeugen.

Carolin Bauer

BerlinDankbar nimmt Susann Koch die Visitenkarte entgegen. Die 23-jährige Mutter hat Besuch von Regina Volkmer vom Potsdamer Babybegrüßungsdienst. Die Sozialpädagogin überreicht ihr eine prallgefüllte Mappe mit Broschüren. "Wer weiß, was da noch alles drin steht. Ich werde mich auf jeden Fall nochmal melden", sagt Koch.

Der Babybegrüßungsdienst arbeitet seit 1. November 2007. Mehr als 110 Neugeborene haben Regina Volkmer und ihre Kollegin seitdem in Potsdam willkommen geheißen.

Kita oder Tagesmutter?

"Ich weiß, dass die Adressen und Infos einen erst einmal umhauen. Viele haben später noch Fragen", sagt Volkmer. Deshalb verweise sie bei ihren Besuchen darauf, dass sie auch später immer für die Familie da sei. "In erster Linie geht es uns darum, die Eltern durch den Behördenwust zu führen und zu vermitteln", fügt die 58-Jährige hinzu.

Susann Koch nutzt diesen Service der Stadt gleich. "Ich habe noch keinen Kita-Platz. Hier in Babelsberg ist alles voll und langsam habe ich Angst, keinen Platz mehr zu finden", sagt die junge Mutter. Kein Problem für Volkmer. Sie zückt aus der Mappe mehrere Kita-Broschüren, einen Antrag und verweist auf die Alternative, den jetzt zwei Monate alten Maximilian zu einer Tagesmutter zu bringen.

"Wir schauen auf das soziale Umfeld"

"Es ist wirklich schön und sinnvoll, wenn man alles auf einen Blick vor sich hat", lobt Susann Koch den Service des Begrüßungsdienstes. Gerade junge Mütter oder Alleinerziehende seien durch die neue Situation schnell überfordert. Koch wird von ihrer Mutter und ihrem Partner unterstützt. Aus Erfahrung weiß Volkmer, dass dieser Zusammenhalt nicht selbstverständlich ist. "Ich erlebe die ganze Palette. Wir schauen bei den Besuchen natürlich auch auf das soziale Umfeld." Natürlich ist sie sensibilisiert durch all die Nachrichten über verwahrloste Kinder.

"Aber wir kontrollieren oder schnüffeln nicht, sondern wollen die Leute motivieren, sich Hilfe zu suchen", sagt die Sozialpädagogin. Wenn sie Schwierigkeiten feststelle, sei die Beratung intensiver. Bisher habe sie kein verwahrlostes oder missbrauchtes Kind melden müssen.

Zwischen 30 und 35 Neugeborene pro Woche

Die Resonanz bei den Familien sei durchweg positiv, berichtet Volkmer. Bis Mitte Dezember hätten nur elf Eltern den Besuch nicht gewollt. "Die bekommen natürlich trotzdem die Mappe geschickt", versichert die 58-Jährige. Manche würden sich einfach nicht trauen, dabei sei gerade in solchen Fällen oft eine Beratung erforderlich. Andere fühlten sich umfassend informiert oder hätten bereits größere Kinder. Doch auch für erfahrene Eltern hat Volkmer in ihrer Mappe Wissenswertes wie Schulinformationen parat.

Jede Woche werden dem Begrüßungsdienst zwischen 30 und 35 Neugeborene gemeldet. "Es sind schon ganz schön viele Babys. Wir müssen sehen, ob wir das in Zukunft auch noch zu zweit schaffen", sagt Volkmer. Unterstützt werden die beiden Sozialarbeiterinnen von rund 20 ehrenamtlichen Helfern. Diese begleiten Mütter zu Behörden oder helfen an anderer Stelle.

Anregungen aus Dormagen und Lauchhammer

Vorbild für den Babybegrüßungsdienst seien ähnliche Angebote im nordrhein-westfälischen Dormagen und im südbrandenburgischen Lauchhammer gewesen, sagte der Familienkoordinator des Potsdamer Jugendamts, Peter Böhme. Dort habe man sich Anregungen für den Service in der Landeshauptstadt geholt.

Nicht bei jedem Familienbesuch ist Volkmer so erleichtert wie bei Susann Koch. Auch wenn es ihr Beruf ist, sich um Bedürftige zu kümmern, ist ihr so ein harmonisches Umfeld am liebsten: "Da gehe ich richtig glücklich nach Hause". (ddp)

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