Der Tagesspiegel : Viele Vermutungen - kaum Erkenntnisse

WERNER VAN BEBBER

Wie und warum Matthias Hintze starb, ist völlig unklarVON WERNER VAN BEBBER POTSDAM/BERLIN.Spekulationen, Gerüchte, Fragen ohne Antworten: So viele Unklarheiten liegen über dem Tod von Matthias Hintze, daß Staatsanwaltschaft und Polizei in Potsdam kaum nachkommen mit Klarstellungen und Dementis.Unklar war gestern fast alles, was über die Feststellung hinausging, daß der entführte junge Mann aus Geltow tot ist.Unbekannt war die Ursache seines Todes, der Zweck seiner Entführung, angebliche Beziehungen zu den Tätern und fast alles, was mit seinem Gefängnis im Waldboden bei Gotthun in Mecklenburg-Vorpommern zusammenhängt. Daß nicht mehr festzustellen ist, ob Matthias Hintze verdurstet, verhungert oder erstickt ist, wundert den Berliner Gerichtsmediziner Volkmar Schneider nicht: Wenn der Tote in den vergangenen drei Wochen im Waldboden gelegen habe, sei von der Leiche kaum mehr als das Skelett übrig.Da sei "biochemisch nichts nachweisbar", was eindeutige Erkenntnisse über Hintzes Tod zulasse.Erst recht nicht, daß Hintze aus Verzweiflung seine Schuhe gegessen habe, wie gestern einige Zeitungen behauptet hatten. Spekulationen aller Art hatten indes schon am Donnerstag eingesetzt.Nachdem der Potsdamer Staatsanwalt Hans-Dieter Bamler und der Chefermittler der Polizei, Peter Schultheiß, die ersten Erkenntnisse zum grausamen Ende der Entführung bekanntgegeben hatten, meldete eine Berliner Zeitung am Abend, nach Erkenntnissen der Polizei sei Matthias Hintze "womöglich in einen Drogenhandel mit den beiden Tätern verstrickt" gewesen.Dabei solle er 150 000 Mark schuldig geblieben sein."Gerüchteweise", so das Blatt weiter, seien Hintzes Eltern seit längerem von "der Russenmafia" bedroht worden.Staatsanwaltssprecherin Monika Haag sagte dazu am Freitag, was Ermittler Schultheiß und Staatsanwalt Bamler schon am Donnerstag bekräftigt hatten: Es gebe "keinerlei Anhaltspunkte" für Verbindungen des Sohnes oder des Vaters zu den russischen Berufsverbrechern. Die Ermittler hatten sich nach der Verhaftung der beiden Russen Sergej S.und Vjatscheslaw O.am Dienstag abend darauf konzentriert, aus einem der beiden herauszubekommen, wo Hintze versteckt war.Der 37jährige Sergej S., angeblich der intelligentere von beiden, führte die Potsdamer Polizisten zu der Grube im Wald bei Gotthun, in der Hintzes Leiche lag.Von dieser Grube wußten die Ermittler indes gestern nicht viel neues zu sagen.Vermutungen und Fragen liegen über Hintzes Grab.Als sicher gilt, daß der Schacht nicht der Ort ist, an dem das später den Eltern geschickte Polaroidfoto von Hintze gemacht wurde.Der Schacht in der Erde war laut Staatsanwalt Bamler professionell befestigt mit Brettern und Pflöcken.Er war einen Meter breit und zwei Meter lang.Wie tief genau das Gelaß aber war, wußten die Ermittler nicht.Drei oder vier Meter? Dann hätte Hintze keine Chance gehabt, aus der Grube zu entkommen.Wie das Gefängnis des jungen Mannes abgedeckt war, ist ebenfalls unbekannt.Die Existenz dieses ausgebauten Erdlagers ist freilich für weitere Spekulationen gut: Haben die beiden Russen es eigens angelegt, um Hintze dort gefangenzuhalten - und zu begraben? Haben sie es zufällig gefunden? Wußten sie womöglich von dem Schacht, weil der einmal für die Unterbringung von Diebesgut genutzt worden ist? Ortskenntnisse hatten die Gangster offenbar in Berlin, in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.Woher - das sollen nun die Vernehmungen ergeben.Sergej S., der die Ermittler zu Hintzes Leiche führte, sitzt im Potsdamer Gefängnis.Der schweigsame Vjatscheslaw O.ist in Brandenburg (Havel) inhaftiert.Die Ermittler versuchen nun, beide im Verhör gegeneinander auszuspielen.Nicht nur am Tod von Matthias Hintze ist vieles unklar.Offen ist auch, ob die beiden Russen an der Entführung von Alexander Galius in Berlin beteiligt waren.Dafür gibt es Angaben der Berliner zufolge "Indizien".

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