Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Das „Alter Sack“-Image mildern und den Problembären besänftigen

Ausgerechnet Alaska! Kann Sarah Palin, Ex-Schönheitskönigin und heutige Gouverneurin des Eis- und Bärenstaates, John McCain tatsächlich den Sieg verschaffen?

Das können Vize-Kandidaten nie; sie bleiben stets Staffage für das Duell der Chefs. Aber Palin ist ein genialer Zug des John McFox. Sie projiziert ein akzeptableres Frauenbild, als Obamas heimliche Vize, seine toughe, auftrumpfende Gemahlin Michelle. Palin ist zugleich Mutter (fünf Kinder) und Macher, Küche und Karriere, Gattin und Gouverneurin und könnte so die 18 Millionen enttäuschten Hillary-Vorwählerinnen „abholen“, die Obama Clintons Marginalisierung übel nehmen. Palin bedient zwar als Gegnerin von Abtreibung und Homo-Ehe die Rechte, zeigt sich aber an anderen Fronten des Kulturkampfs sehr pragmatisch. Nur 44 Jahre alt, mildert sie das „Alter Sack“-Image des McCain und lässt ihn plötzlich sehr progressiv aussehen.

Die EU scheut sich, Sanktionen gegen Russland zu beschließen. Was hat Europa gegen Putin und Medwedew überhaupt in der Hand?

Vieles. Vorweg eine 16-mal größere Wirtschaft. Dazu (in der Summe) viel größere und besser ausgerüstete Streitkräfte sowie eine dreimal größere Bevölkerung. Noch interessanter ist die finanzielle Verwundbarkeit Russlands: Im Gefolge der „Georgischen Teilung“ fiel der Börsenindex um 13 Prozent, zogen Ausländer 20-plus Milliarden Dollar vom Moskauer Finanzmarkt ab. Das Problem ist nicht die Physis der EU, sondern ihre Psyche. Und die funktioniert Richtung Moskau etwa so: „Würden Sie Ihre Aggression eventuell zurücknehmen?“ – „Nein!“ – „Na gut, dann ist die Sache für uns erledigt.“

In Köln darf die große Moschee gebaut werden. Ein Symbol für Toleranz – oder Islamisierung?

Nein, sondern Symbol unserer „Verfassungsfalle“. Wenn die Christen ihre Kathedralen, die Juden ihre Synagogen bauen können, dann auch die Muslime ihre Moscheen. Toleranz ist in diesen Staat eingebaut, und das ist richtig so. Trotzdem wünscht man sich von den Neuen ein wenig Takt gegenüber den Alten. Es muss ja nicht gleich die moscheemäßige Entsprechung des Kölner Doms ein. Gott/Allah/Adonai wünscht sich die reine Seele, nicht die riesigen Säle.

Ein Wort zum Außenminister …

Der verkörpert einen ebenso alten wie mächtigen Reflex deutscher Ostpolitik: den Bären stets besänftigen. Dies ist aber genauso bloß Reflex, also unreflektiert, wie den Bären stets zu verbeißen. Eine kluge Außenpolitik muss wissen, wann was ist. Zurzeit ist Russland wieder auf Expansionskurs. Für Verständigung zu plädieren, ist immer gut; Verständnis (oder Hinnahme) aber kann sehr leicht als Schwäche missverstanden werden und weiteres Problembären-Verhalten provozieren.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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