Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Afghanistan in Absurdistan verwandeln und Westerwelle in einen Friedens-Fundi

Früher hieß es stets, man dürfe bei Afghanistan kein Abzugsdatum nennen, weil das die Taliban stärkt. Jetzt gilt das offenbar nicht mehr. Was hat sich geändert?

Die Sache ist noch absurder. Sowohl Berlin als auch Washington wollen mit mehr Soldaten hingehen, um umso besser weggehen zu können. Abzugsdaten sind nicht minder absurd, wenn sie geglaubt werden. Der Feind muss bloß abwarten und verteilt schon mal die Amtszimmer in Kabul. Die Regierung Karzai nutzt die Frist, um sich mit den Taliban zu arrangieren – oder einen Fluchtweg ins Ausland auszubaldowern. Deshalb sagt Merkel zu Recht: „Wir nennen keinen Abzugstermin.“ Obama sagt’s ähnlich: Alle Abzugspläne müssen an der „Situation am Boden“ gemessen werden. Mithin sind solche Termine zur Ruhigstellung des Wahlvolks gedacht – was allerdings nicht den EQ (Ehrlichkeits-Quotienten) erhöht.

Wirtschaftsgipfel in Davos: Müssen wir Angst vor einer zweiten Wirtschafts- und Finanzkrise haben?

Wenn WmdW das wüsste, würde er auf Baisse spekulieren und wäre in ca. zwei Jahren reich. Er tippt aber nicht auf eine W-Rezession, also mit zwei Tälern hintereinander. Die USA wachsen seit dem 4. Quartal mit mehr als fünf Prozent, Deutschland wird wohl mit zwei Prozent wachsen. Wir brauchen eigentlich nur einen Hypnotiseur, der die Banker dazu bringt, das reichliche und billige Geld, das sie von den Zentralbanken kriegen, als Kredite weiterzugeben.

Eine deutsche Familie erhält in den USA Asyl, weil es seine Kinder zu Hause erziehen möchte. Eine richtige Entscheidung?

Der aufgeklärte deutsche Mensch wird jetzt wieder glauben, die Amis spinnen. Tatsächlich ist „home schooling“ in den USA gerade in religiösen Familien sehr weit verbreitet. Und der Staat gibt denen, anders als in Deutschland, das Recht dazu. Außerdem nehmen die Amis die Trennung von Kirche und Staat sehr ernst; z.B. kein „Reli“ in öffentlichen Schulen. Deshalb sah der Richter in Memphis im Falle der Strenggläubigen aus D den Tatbestand der Verfolgung aus religiösen/politischen Gründen erfüllt. Er hätte schwerlich anders urteilen können angesichts der US-Verfassungs- und Gesetzeslage. Peinlich, aber nicht einzigartig: Asyl haben auch schon andere EU-Bürger in den USA bekommen.

Ein Wort zum Außenminister ...

Der war nicht in Davos, aber die aus Amerika und Frankreich waren auch nicht da. Der Wettergott, heißt es, soll Guido W. vom Einfliegen abgehalten haben. Was wiederum ganz praktisch war, weil er hier so manche bohrende Frage über die Zuverlässigkeit der Deutschen in Afghanistan hätte abwehren müssen. Gegen den FDP-Mann wirkte der Grüne Joschka Fischer wie ein Bellizist der Bush-Klasse.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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