Der Tagesspiegel : Vier Länder – ein Lehrplan:Grundschulstoff wird harmonisiert Minister Reiche: Potsdam, Berlin, Bremen und Schwerin betreten mit Projekt Neuland

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Von Thorsten Metzner

Potsdam. Die rund 300000 Grundschüler in Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen sollen schon bald nach einheitlichen Rahmenplänen unterrichtet werden. „Wir betreten damit Neuland in der Bundesrepublik", sagte Bildungsminister Steffen Reiche (SPD), von dem die Initiative zu dem Vorhaben ausging, am Mittwoch in Potsdam. Bislang macht jedes Land seine eigenständige Bildungspolitik, da die Kulturhoheit traditionell bei den Ländern liegt. Trotzdem, so Reiche, sei der Widerstand „geringer als erwartet“ gewesen.

Nachdem die Verträge im August unterzeichnet wurden, wird das Projekt an diesem Donnerstag mit einer Veranstaltung im Roten Rathaus in Berlin offiziell gestartet. Die von Expertenteams neu erarbeiteten Rahmen-Lehrpläne sollen bereits in einem Jahr fertig sein, dann ein Jahr flächendeckend erprobt werden und zum Schuljahr 2004/2005 in Kraft treten, kündigte Reiche an. In Berlin würden sie 30 Jahre alte Lehrpläne ablösen.

Reiche äußerte sich optimistisch, dass sich weitere Bundesländer dem Projekt anschließen. „Wir sind offen, erheben auf unsere Pläne auch kein Copyright. Jeder kann sie übernehmen“, so der Minister. Er hoffe, dass nach der Bundestagswahl auch die Bereitschaft bei CDU-geführten Ländern wachse und man sich in einigen Jahren in der Kultusministerkonferenz auf bundesweit einheitliche Rahmenpläne verständigen könne. Nach Worten Reiches liegen die Vorteile auf der Hand: Nicht nur, dass für Kinder der Schulwechsel beim Umzug in andere Bundesländer erleichtert werde, auch würden einheitliche Bildungsstandards gefördert und Kosten etwa für Gutachten und Wissenschaftler gespart und Doppelarbeit zwischen den Ländern vermieden. Wenn es nach Brandenburgs Bildungsminister ginge, würde es nicht nur bei einheitlichen Lehrplänen bleiben. Er lasse gerade prüfen, ob Vorgaben für einheitliche Schulbücher gemacht werden könnten.

Mit den neuen Lehrplänen sollen an Brandenburgs Grundschulen verbindliche, vergleichbare Leistungsstests eingeführt werden – zum Beispiel nach dem 2. Schuljahr und ihm 5. Schuljahr, kündigte Reiche an. Der Minister teilte mit, dass Brandenburg derzeit mit Bayern, Sachsen und Schleswig-Holstein verhandelt, um gemeinsame Leistungstests – sie erlauben auch einen länderübergreifenden Qualitätsvergleich – zum Ende der Jahrgangsstufe 2 einzuführen. Dass mit Sachsen und Bayern zwei unionsgeführte Länder dabei sind, ist für Reiche kein Problem: „Wir müssen uns an den Besten messen.“

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