Völler vs. Bierhoff : Bierhoff hofiert Völler und nennt ihn "Volksheld"

Im Streit zwischen Oliver Bierhoff und Rudi Völler schlägt der Nationalteamverkäufer plötzlich schmeichelhafte Töne an. Deutschland brauche Persönlichkeiten wie Völler, so Bierhoff. Trotzdem empfinde er die Angriffe gegen sich als Rufschädigung.

Bierhoff
Oliver Bierhoff versucht es nun mit versöhnlichen Worten. -Foto: dpa

Frankfurt/MainOliver Bierhoff will trotz seiner neuen Rolle als Buhmann der Bundesliga seinen Weg als DFB-Manager konsequent fortsetzen - und den Streit mit Rudi Völler beenden. Der 39 Jahre alte Ex-Nationalspieler schlägt nach den verbalen Attacken der vergangenen Tage jetzt versöhnliche Töne an. "Auch Rudi Völler hat viel für den deutschen Fußball getan, die Mannschaft 2002 erfolgreich bis zur Vize-Weltmeisterschaft geführt. Obwohl ich nicht immer die besten Karten bei ihm hatte, habe ich immer gesagt: 2000 war er die richtige Person. Deutschland brauchte diese Persönlichkeit, diesen Volkshelden, um die Mannschaft aus diesem Tal herauszuholen", sagte Bierhoff. Der Forderung von DFB-Präsident Theo Zwanziger, den Streit rasch beizulegen, will sich Bierhoff nicht entziehen: "Das verstehe ich vollkommen."

Die Reibereien der vergangenen Tage machten dennoch deutlich, dass Bierhoff für die Bundesliga die neue Reizfigur ist. Ex-Teamchef Rudi Völler und Bayern-Manager Uli Hoeneß sahen sich zuletzt von der Außendarstellung Bierhoffs dermaßen gereizt, dass sie persönlich auf den ehemaligen Stürmer losgingen. Hoeneß forderte Bierhoff gar auf, "die permanenten Schlaumeiereien für sich zu behalten". Und Völler riet seinem ehemaligen Spieler zu einem Arzt-Besuch.

DFB steht fest hinter Bierhoff

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) dagegen genießt Bierhoff trotz seiner polarisierenden Persönlichkeit großes Vertrauen. Der DFB-Chef bezeichnete ihn als "Gesicht der Nationalmannschaft" und lobte die Aktivitäten des Managers ausdrücklich. Bierhoff spürt das: "Die Anerkennung des Präsidiums ist da, das heißt ja auch, man traut mir etwas zu."

Er selbst ordnete die jüngsten Attacken - wie schon zuvor die Vorwürfe von Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ("Die Ich-AG vom Starnberger See") - als neuerliche "Angriffe ohne Argumente" und sogar eine Art Rufschädigung ein. Von seinem Kurs will sich das Sprachrohr der Nationalmannschaft aber nicht abbringen lassen. "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Diskussionen - auch Reizpunkte - geholfen haben. Da wird es immer mal wieder zoffen, das gehört dazu", sagte Bierhoff, der wie einst der Reformer Jürgen Klinsmann mit der Rolle der Reizfigur leben muss. "Mit Sicherheit ist es so, dass ich diese Rolle in der Post-Klinsmann-Zeit eingenommen habe."

"Wir sind immer auf die Vereine zugegangen"

Der Manager verwies - wie übrigens auch Bundestrainer Joachim Löw - zuletzt immer wieder auf die Defizite im gesamten deutschen Fußball und bot wiederholt eine Zusammenarbeit an. "Wir sind immer auf die Vereine zugegangen, haben ihnen alle Daten zur Verfügung gestellt. Aber in den drei Jahren hat sich noch niemand bei mir gemeldet und sich aktiv nach unserem Konzept erkundigt", erklärte Bierhoff. Obwohl Löw ebenfalls klare Worte spricht, trifft die Kritik allein Bierhoff.

Völler, Hoeneß & Co. sehen sich von ihm bevormundet - dabei verweist Bierhoff nur auf Fakten. "Unsere Mannschaft lockt 30.000 Zuschauer zum öffentlichen Training an, wir haben eine unheimliche Begeisterung, die besten Zuschauerquoten und im WM-Jahr 1,4 Millionen Trikots verkauft. Die Mannschaft hat die erfolgreichste EM-Qualifikation seit langem absolviert - das alles kann nicht nur mit einem WM-Schwung zusammenhängen. Das haben wir nur mit einer Philosophie, einem Konzept, einer Linie - der Begriff ist mir egal - geschafft."

"Je erfolgreicher die Klubs sind, umso ruhiger wird es"

Ob die Verbandslaufbahn nach drei Jahren als DFB-Funktionär und dem Einzug ins DFB-Präsidium einen langfristigen Platz in Bierhoffs beruflicher Lebensplanung hat, ist offen. Derzeit besitzt der 39-Jährige einen Vertrag bis 2010. "Erstmal bin ich sehr zufrieden, dass diese Position, die es früher ja gar nicht gab, nicht mehr diskutiert wird, dass ich Dinge bewegen kann", sagte Bierhoff, der zusammen mit seinem Freund Marc Kosicke zusätzlich eine eigene Agentur betreibt. "Längerfristige Planungen habe ich wirklich nicht", so Bierhoff.

Die Arbeit als Teammanager macht ihm aber weiterhin Spaß. "Es ist einfach klasse, für die Nationalmannschaft zu arbeiten", betonte Bierhoff trotz der wieder aufgeflammten Kritik aus der Liga. "Länderspiel, Fernsehvertrag, Benefizspiele - es wird immer wieder versucht, diese Spannungen und diesen Kampf zwischen DFB und Liga hineinzutragen", erklärte der Teammanager, bleibt aber dabei: "Man kann auch eine falsche Philosophie haben, aber man hat eine. Je erfolgreicher die Klubs sind, umso ruhiger wird es."