Der Tagesspiegel : Voilà: Louise-Henriette

CLAUS-DIETER STEYER

ORANIENBURG .Sieben Meter Stoff, ein Dutzend Steine und viel Schmuck: Wenn Stefanie Bauer sich für einen ihrer zahlreichen Auftritte herausputzt, hängt an ihren Schultern ein mehrere Kilogramm schweres Festkleid.Vorlage dafür war ein mehr als 300 Jahre altes Gemälde, das die aus Holland stammende Kurfürstin Louise-Henriette bei der Gründung der nördlich Berlins gelegenen Kleinstadt Oranienburg zeigt.In die Rolle dieser vom Volk einst verehrten Ehefrau des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm schlüpft in den nächsten Monaten die 18jährige angehende Hotelfachfrau Stefanie, denn Oranienburg stehen große Feste ins Haus.

Die Stadt erinnert mit vielen Veranstaltungen an ihre holländischen Ursprünge und zeigt vom 15.August bis zum 14.November eine Ausstellung von Werken der vielgerühmten niederländischen und flämischen Kunst des 17.und 18.Jahrhunderts.Dafür wird das bis 1990 als Kaserne der Grenztruppen genutzte, älteste märkische Barockschloß in der Stadtmitte aufwendig renoviert.Zur Eröffnung der Schau "Onder den Oranje Boom" haben sich Hollands Königin Beatrix und der Bundespräsident angesagt.Stefanie Bauer erlebt dann ihren wichtigsten Auftritt im Kleid von Louise-Henriette.

Vorerst wirbt sie allerdings bei verschiedenen Gelegenheiten für den Verkauf einer eigens für die Oranierausstellung geprägten Gedenkmünze.Die in Silber (60 Mark), in einer Kupfer-Nickel-Legierung (35 Mark) und in Gold (1300 Mark) geprägte Medaille zeigt auf der einen Seite das Porträt der Kurfürstin mit ihren Lebensdaten 1627-1667 und auf der Rückseite das Schloß Oranienburg.Der Fremdenverkehrsverein Oranienburg (Tel.03301/70 48 33) verkauft die Münze."Wir hoffen auf einen guten Absatz bei den Gästen unserer Stadt und bei den Sammlern, da die Auflage begrenzt ist", sagte Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke bei der Vorstellung.Die Stadt verstehe die Oranierausstellung als Chance zur Imageverbesserung.

Durch das unweit des Schlosses erbaute KZ Sachsenhausen ist der Ort mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte sichtbar verbunden.Wie schwer der Umgang damit fällt, zeigt der Streit um die Skulptur vor dem Schloß, die eine Häftlingsfrau zeigt.Das Kunstwerk sollte im Zuge der Bauarbeiten still und heimlich verschwinden, da es angeblich den historischen Blick auf die Fassade stört.Erst der Protest von Häftlingsorganisationen verhinderte die "Umsetzung".

Die Arbeiten im Schloß gehen trotz mancher Probleme mit der alten Substanz laut Bürgermeister planmäßig voran."Im Juni sind wir fertig.Dann kann der Aufbau der Oranierausstellung beginnen", sagte Laesicke.Louise-Henriette hatte 1651 den Umbau des alten Jagdschlosses angeordnet, denn der damals den Namen Bötzow tragende Flecken war ihr von Friedrich Wilhelm geschenkt worden.1652 erhielt das Schloß ihr zu Ehren den Namen "Oranienburg", der ein Jahr später auch in das Stadtsiegel übernommen wurde.Louise-Henriette holte aus ihrer niederländischen Heimat Kolonisten.Der Ortsname "Neuholland" bei Oranienburg erinnert daran.In der Stadt ließ die Herrscherin die Kirche erweitern und ein Waisenhaus für zwölf Jungen und zwölf Mädchen eröffnen.

Für die Ausstellung, die außer in Oranienburg noch in Krefeld (Nordrhein-Westfalen) und in Apeldoorn zu sehen sein wird, haben Kunstwissenschaftler in mehr als 120 Sammlungen in aller Welt rund 550 Gemälde, Graphiken, Zeichnungen, Münzen, Medaillen und andere Gegenstände ausgewählt.Sie erinnern an die einst zu den mächtigsten Familien Europas gehörenden Oranier, die aus dem deutschen Grafengeschlecht Nassau hervorgegangen waren.Den Namen gab ihnen das südfranzösische Fürstentum Orange, das die Oranier erbten.

Einige Veranstaltungen in Oranienburg 18.Juni Denkmalenthüllung Louise-Henriette mit Stadtfest, 24.Juli Schloßfest 31.Juli Oranierfest, 14.August offizielle Eröffnung der Oranier-Ausstellung.

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