Der Tagesspiegel : Vom Blütenmeer ins Kneippbecken: Landesgartenschau erinnert an alte Moorbadtradition von Luckau

Claus-Dieter Steyer

Zwischen den vielen Blumen, Gehölzen und Dekorationen auf der Landesgartenschau in Luckau fällt ein Ort etwas aus dem Rahmen: Das Kneippbecken. Es kann von jedermann genutzt werden. Vor allem an warmen Tagen herrscht Hochbetrieb in diesem von dem hier sehr eisenhaltigen Grundwasser gespeisten Bassin. Besucher jeden Alters gönnen sich eine Erfrischung und ihrer Haut einen kostenlosen Schutzfilm vor Austrockung. Manche begnügen sich mit einem Eintauchen des Ellbogens, während die Enthusiasten gleich mehrere Runden im Kreis drehen und dabei wie Störche durch das Wasser schreiten.

Das Kneippbecken steht jedoch nicht nur zur Erfrischung der Gartenschaubesucher im neuen Stadtpark. Vor gut 100 Jahren trug die Kleinstadt südlich Berlins den Beinamen Moorbad. Der Schatz wurde gleich in der Umgebung gestochen. Zuletzt bot noch ein Hotel in der Stadt ein Bad im Moor und eine kleine Kur nach Kneipp an. Doch der Aufschwung durch die Landesgartenschau kam für dieses Haus zu spät. Es ist zum Bedauern der Stadtverwaltung schon eine Weile geschlossen. Vielleicht, so wird gehofft, greift angesichts der großen Resonanz auf der Gartenschau ein Interessent die alte Tradition wieder auf. Bislang gibt es Kneippkuren in Brandenburg lediglich im Städtchen Buckow in der Märkischen Schweiz.

Unterdessen hält der Besucheransturm auf die ersten Landesgartenschau unvermindert an. 315 000 Gäste wurden seit der Eröffnung am Ostersonnabend gezählt. Damit wird das ursprünglich angepeilte Ziel von 400 000 verkauften Karten mit Sicherheit weit übertroffen. Denn die Ausstellung ist noch bis zum 15. Oktober geöffnet. An diesem Wochenende bieten die Veranstalter wieder einen Höhepunkt. Die zwei großen Blumenhallen erstrahlen in einem neuen Bild unter dem Motto "Erica kommt - Heide im Garten". Alle möglichen Gehölze und Stauden des Spätsommers zeigen ihre Pracht. Leider wird mit dieser bis zum 8. September dauernden Schau schon auf den Herbst eingestimmt. Hobbygärtner erhalten am Sonnabend um 13 und 15 Uhr Informationen wieder aus erster Hand. In leicht verständlichen Vorträgen geht es im Gärtnertreff um Komposte und Substrate.

Täglich um 11 Uhr beginnen am Haupteingang zum Stadtpark Führungen übers Gelände. Gruppen können ihre Wünsche beim Besucherdienst melden (Telefon 03544/50370). Nicht eingezäunt sind die 20 Gärten zwischen Stadtmauer und Stadtgraben. Die bequemste Anreise zum Blütenmeer und Kneippbecken bietet die Bahn. Im Preis von 29 Mark sind die Zugfahrt von Berlin nach Luckau/Uckro oder Lübben, die Busfahrt bis Luckau, der Eintritt und die Rückfahrt enthalten. Die Gartenschau ist täglich von neun Uhr bis zum Eintritt der Dunkelheit geöffnet. Eine Tageskarte kostet 13 Mark, Kinder vom 7. bis 15. Lebensjahr zahlen sieben Mark.

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