Der Tagesspiegel : Vom Loire-Schloss verzaubert

Jahrelang suchte Berlin für den Prachtbau in Lanke einen Käufer – nun haben ihn vier Familien erworben

Claus-Dieter Steyer

Lanke - Runde Türme mit spitzen Kegeldächern, reich verzierte Fenster, ein weitläufiger Park: Schloss Lanke war lange Zeit ein Schmuckstück im Besitz des Landes Berlin. Aber der fast 150 Jahre alte Prachtbau im Stil der berühmten französischen Renaissanceschlösser an der Loire verfiel in den vergangenen Jahren zusehends. Dem Land war die Sanierung zu teuer, es fand sich kein Käufer. Nun aber scheint die Zukunft des Schlosses gesichert: Wie der Liegenschaftsfonds des Landes Berlin bestätigte, haben vier junge Familien das etwa 20 Kilometer hinter der nördlichen Stadtgrenze liegende Gebäude erworben. Es soll künftig Privatwohnungen und Räume für kulturelle Veranstaltungen beherbergen. Der englische Landschaftspark soll weiterhin für Spaziergänger offen bleiben.

Dem endgültigen Verkauf muss noch das Abgeordnetenhaus zustimmen. „Aber das ist Formsache“, heißt es beim Liegenschaftsfonds. Schließlich habe man lange nach einem Käufer gesucht, um den Verfall zu stoppen. Zu den Käufern gehört auch eine Architektin, die ihre Entwürfe bereits präsentierte und eine denkmalgerechte Sanierung zusicherte. Über den Kaufpreis schweigt sich der Liegenschaftsfonds aus. 1997 wurde das Schloss für umgerechnet 550 000 Euro angeboten.

Im gleichen Jahr verließen die letzten Bewohner das Schloss am Obersee. Es waren alte und geistig behinderte Menschen, die hier von den Hoffnungsthaler Anstalten betreut wurden. Sie zogen in neue Häuser, so dass für die seit 1914 zu Berlin gehörende Immobilie ein neuer Nutzer gefunden werden musste.

Anfangs gingen die damals zuständigen Berliner Stadtgüter enthusiastisch ans Werk. Das Dach und die Türmchen wurden instand gesetzt – und in der Gemeinde Lanke war man damals optimistisch. Das Dorf an der Autobahn Berlin – Kreuz Uckermark diskutierte nur noch Vor- und Nachteile einer Zukunft als Hotel, Rehabilitationsklinik, Spielcasino, Kunstsammlung, Internat oder Seniorenheim.

Investoren und Unternehmer gaben sich bald die Klinke in die Hand. Die schöne Außenansicht zeigte Wirkung. Doch nach einem Rundgang notierten die Makler fast wortgleich formulierte Ablehnungen: „Die Höhe der Sanierungskosten im Innern übersteigt das Budget.“

Die zu DDR-Zeiten vorgenommenen Ein- und Ausbauten hatten fast nichts von der einstigen Pracht gelassen. Dabei muss Schloss Lanke auch innerlich ein Juwel gewesen sein. Der Bauherr mit dem Titel „Oberst-Kämmerer und Wirklicher Geheimer Rat des Königs“ Graf Wilhelm von Redern hatte sich für seinen 1859 abgeschlossenen Bau von der Schlösserkette an der Loire inspirieren lassen. Als Architekten gewann er Eduard Knobloch, der ihm schon ein Stadtpalais an der Stelle des heutigen Hotels Adlon am Brandenburger Tor entworfen hatte. Von Redern galt als eine Schlüsselfigur des Berliner Kulturlebens und verkehrte mit höchsten Kreisen, die er auch nach Lanke eingeladen haben dürfte.

Doch 1914 endete die Ära der Familie von Redern. Der verschuldete letzte Schlossherr, Freiherr von Redern, verkaufte das Schloss an Berlin. 1936 kam von Rederns Waldbesitz dazu, wobei sich der damalige Reichsminister Goebbels Ländereien überschreiben ließ. Im nahen Bogensee richtete er einen Landsitz ein.

In der Gemeinde Lanke hat man nun neue Hoffnung geschöpft: „Es wird Zeit, dass wieder Leben ins Schloss einzieht.“

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