Der Tagesspiegel : Vom Schlafzimmer direkt aufs Segelboot

Wohnen in schwimmenden Häusern: Im Sommer soll die erste Villa am Ufer eines gefluteten Tagebaus in der Lausitz fertig sein

Claus-Dieter Steyer

Cottbus. Diese Vorstellung macht gute Laune: Nach dem Aufstehen fällt der Blick durch die Fenster auf einen großen See mit klarem Wasser, beim Frühstück auf der Terrasse holen sich stolze Schwäne einen Leckerbissen ab und danach startet sofort ein Segeltörn, ohne dass man zuvor einen Fuß aufs Land gesetzt hat. Das funktioniert nicht auf gewöhnlichen Wassergrundstücken, sondern nur auf schwimmenden Häusern. Solche „floating homes“ stehen in vielen Städten Nordamerikas, als Feriendomizile an der Ostseeküste vor Usedom und als einzelne Muster auch am Tegeler See und in Köpenick. Doch der große Durchbruch ist in Deutschland nicht zuletzt wegen des Naturschutzes noch nicht gelungen. Der soll nun rund 100 Kilometer südlich Berlins gelingen. An der neuen Lausitzer Seenkette, die mit der Flutung ehemaliger Braunkohlegruben entsteht, sind zahlreiche schwimmende Häuser geplant.

Als Modell erlebten zwei Typen am vergangenen Wochenende auf der Cottbuser Baumesse schon einmal ihre öffentliche Premiere – eins für den Brandenburger Teil der neuen Seenlandschaft und eins für den benachbarten sächsischen. In rund drei Monaten will die Berliner Firma Nordicon Yachting mit der Montage eines ersten schwimmenden Hauses auf dem Gräbendorfer See in der Nähe des Spreewaldes beginnen. Nach 14 Tagen steht der Rohbau und acht Wochen später könnten Käufer oder Mieter einziehen.

„Die Häuser sind fest verankert und über einen Steg mit dem Land verbunden“, erklärt Ulf Baither, Inhaber der Firma Nordicon. „Dennoch schwimmen sie, um auf den unterschiedlichen Wasserstand bei starkem Wind reagieren zu können.“ Die Häuser mit zwei Etagen seien sowohl für eine Urlaubsunterkunft als auch für Dauerbewohner geeignet. Wie an Land entscheidet die jeweilige Wohnfläche über den Komfort und den Preis. Ein Nordicon-Haus mit 150 Quadratmetern kostet rund 220000 Euro, ein kleineres Gebäude mit 75 Quadratmeter Wohnfläche ist schon für 130000 Euro zu haben.

Ähnliche Angebote macht auch Unternehmer Michael Glausch aus Hoyerswerda. Am neuen Geierswalder See, hart an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen gelegen, plant er bis zum Jahre 2010 den Bau von 32 Häusern. Sie sollen Teil einer Marina mit 60 Liegeplätzen für Boote sein.

„Wir testen zunächst die Nachfrage und werden dann über die Zahl der Häuser entscheiden“, sagt Nordicon-Inhaber Baither über seine Projekte am Gräbendorfer See. Er selbst nennt spontan einige Vorteile der schwimmenden Villen: „Ich brauche keinen Rasen zu mähen und keine Bäume zu beschneiden, kann gleich in den See springen und habe vor allem das Segelboot direkt neben der Terrasse.“ Er glaubt, dass das ungewöhnliche Ambiente auch Künstler inspirieren könnte.

Allerdings war die Baugenehmigung doch eine gewisse Hürde. Denn für die Lausitzer Behörden stellten schwimmende Häuser eine völlige Neuheit dar. Doch da half Professor Rolf Kuhn von der Internationalen Bau-Ausstellung (IBA), die die Umgestaltung der ehemaligen Bergbaulandschaft begleitet. „Für uns erhöht sich mit dieser Wohnform natürlich die Attraktivität der ganzen Region“, sagt er. „Wir machen viele Menschen auf die neuen Seen neugierig und steigern den Bekanntheitsgrad.“ Das Wasser besitze an beiden Standorten Badequalität. Insgesamt sollen in der brandenburgischen und sächsischen Lausitz bis 2017 neun Seen mit einer rund 7000 Hektar großen Wasserfläche entstehen. Kanäle werden sie untereinander verbinden, so dass die künftigen Bewohner der schwimmenden Häuser durchaus auch auf große Fahrt gehen könnten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben