Der Tagesspiegel : Vom Wahlverlierer zum Filmhelden

Der 25-jährige Henryk Wichmann aus der Uckermark ist: „Herr Wichmann von der CDU“ – und ab heute in den Kinos zu sehen

Matthias Oloew

Templin. Als Star sieht er sich nicht, der Herr Wichmann von der CDU. Obwohl er doch dem neuen Film den Titel gab. „Nein“, sagt Henryk Wichmann, 25 Jahre, Jura-Student, Kreistagsabgeordneter der CDU in der Uckermark, „ich bleibe, was ich bin.“

Und das scheint ein mit sich ziemlich zufriedener Lokalpolitiker zu sein. Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, Mitglied im Ausschuss für Soziales und Gesundheit, Sprecher der Kreistagsfraktion der CDU und Sprecher der Jungen Union in Brandenburg. Da ist er zusammen mit Katherina Reiche im Vorstand. Und Henryk Wichmann ist bei der letzten Bundestagswahl als Direktkandidat angetreten, gegen Markus Meckel von der SPD, „von vornherein chancenlos“, sagt der wackere Wahlkämpfer heute.

Aber dieser Job wird ihn wahrscheinlich über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt machen. Denn als Wahlkämpfer hat ihn der Filmemacher Andreas Dresen, mehrfach ausgezeichnet für den in Frankfurt (Oder) spielenden Film „Halbe Treppe“, einen Monat lang begleitet. Zunächst im Auftrag des Bayerischen Rundfunks – für eine einstündige Dokumentation. Aber jetzt kommt „Herr Wichmann von der CDU“ auch ins Kino. Und Henryk Wichmann damit vielleicht noch ganz groß raus.

Ein „sehr guter Film“ sei das geworden, sagt Henryk Wichmann, „weil er zeigt, wie viel Idealismus dazu gehört, Wahlkampf in der Provinz zu machen.“ Noch dazu, wenn man auf so einem aussichtslosen Posten kämpft wie er, schließlich liegt die SPD im Norden Brandenburgs um Längen vor der CDU. Das war auch die Absicht von Andreas Dresen. Der Regisseur wollte den Typus Wahlkämpfer charakterisieren, nicht einen bestimmten Kandidaten vorführen. Trotzdem muss man über den Henryk Wichmann im Film lachen. Dem „wahren“ Henryk Wichmann gefällt der Henryk Wichmann auf der Leinwand auch deshalb , „weil er kämpferisch ist und ein klares Ziel vor Augen hat“. Zum Beispiel, nicht „ständig den Umweltschützern nach dem Mund zu reden“. Manchmal wünscht man sich, er würde energischer offen ausländerfeindlichen Sprüchen aus dem Wahlvolk entgegentreten. Aber Henryk Wichmann sagt nur: „Man muss sich auf das Sprachniveau einlassen.“ Und: „Es ist Aufgabe einer Volkspartei, die Integrationsaufgabe wahrzunehmen.“ Soll wohl heißen: Die Wähler am rechten Rand dort abzuholen, wo sie sind.

Viel hat sich seit dem Film geändert. Wichmann hat geheiratet, ist Vater geworden und hat in diesen Tagen wieder volles Programm. Nicht als Wahlkämpfer, sondern als Hauptdarsteller. Am liebsten möchte ihn der Filmverleih bei allen Premieren dabei haben. Doch Henryk Wichmann winkt ab. Er muss am Donnerstag eine Hausarbeit zum Stasi-Unterlagengesetz abgeben. Am Freitag will er dann in Schwedt wieder vor der Leinwand stehen. „Und im Mai in Templin, das ist ja meine Heimat.“

„Herr Wichmann von der CDU“ läuft in diversen Kinos in Berlin und Brandenburg.

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