Der Tagesspiegel : Von Cargolifter soll wenigstens die Halle bleiben

Vorstand schlägt neues Konzept gegen Zerschlagung vor

Rainer W. During

Brand. Durch die Schaffung einer Liegenschaftsgesellschaft für den Firmenstandort in Brand soll die insolvente Cargolifter AG vor dem endgültigen Aus gerettet werden. Ein entsprechendes Auffangmodell präsentierte der neue Alleinvorstand des Unternehmens, Hans-Georg Engelken, gestern. Aktionäre, Gläubigerfirmen und das Land Brandenburg sollen sich zu gleichen Teilen an den Kosten von sechs bis acht Millionen Euro für die dreijährige Anlaufphase beteiligen.

Bei den bisherigen Verkaufsverhandlungen des Insolvenzverwalters von Cargolifter mit ausländischen Investoren sei kein „seriöser weißer Ritter“ gefunden worden, der alle Gläubiger befriedigen könnte, sagte Engelken. Bei einer Zerschlagung der Firma würden die 70 000 Aktionäre, die rund 320 Millionen Euro für den Traum vom Cargolifter-Transportluftschiff aufgebracht haben, leer ausgehen. Bei einer adäquaten Nutzung der Halle könnten sie jedoch auf eine spätere Wertsteigerung hoffen. Die neue Firma soll sich auf Erhalt und Entwicklung der Liegenschaft beschränken und Nutzungsverträge mit einem Kompetenzzentrum für die „Leichter als Luft“-Technologie, mit Produktions- und Dienstleistungsfirmen sowie dem Besucherpark und kulturellen Veranstaltern schließen. Engelken besteht darauf, dass es für Luftschiffe weiterhin Bedarf gebe; nicht nur beim Schwerlasttransport, für den in Brand zunächst der Transportballon CL 75 schrittweise weiterentwickelt werden solle, sondern auch im Tourismus oder als hochfliegende Kommunikationsplattformen für das Militär.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) bezeichnete eine weitere Beteiligung des Landes an Unternehmungen in Brand jedoch bereits als „unrealistisch“. Auch für die Zeppelin Luftfahrttechnik GmbH steht die gigantische Halle nicht als neue Produktionsstätte zur Debatte. Die von Engelken zitierten Pläne zum Bau von neuen Tourismus-Zeppelinen für 40 Reisende existieren bisher nur in dem Konzept eines Fördervereins, so Zeppelin-Sprecher Wolfgang Schröder.

Der Insolvenzverwalter von Cargolifter, Rolf-Dieter Mönning, war am Freitag nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. In einer Mitteilung an die Aktionäre hatte er in der vergangenen Woche erklärt, eine Reorganisation des Unternehmens würde eine vorherige Ablösung aller Gläubigerforderungen, Masseschulden und -kosten in einer Gesamthöhe von über 110 Millionen Euro erforderlich machen. In der kommenden Woche soll Mönning seine Vorschläge dem Gläubigerausschuss präsentieren. Dort will Engelken auch seinen Rettungsvorschlag erläutern.

Beim Hauptgläubiger, der Investitionsbank des Landes Brandenburg, wollte man sich zu Exngelkes Plänen nicht äußern. „Uns liegt das Konzept bisher nicht vor“, sagte ein Sprecher.

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