Der Tagesspiegel : Von Kirchbach leitet IV.Korps

Chef des Oderflut-Einsatzes der Bundeswehr neuer Kommandeur in Potsdam POTSDAM (thm/Tsp/ADN).Der als "Hochwasserheld" populär gewordene Bundeswehrgeneral Hans-Peter von Kirchbach hat am Mittwoch das Kommando über das in Potsdam stationierte IV.Korps übernommen.Er ist damit Befehlshaber über rund 50 000 Soldaten des Heeres in Ostdeutschland und Schleswig-Holstein.Sein Vorgänger, der scheidende Kommandeur, Generalleutnant Joachim Spiering (57), hatte das vierte Korps seit 1994 geführt und wird nun Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte Europa-Mitte mit Sitz in Brunssum (Niederlande). Von Kirchbach führte zuletzt die 14.Panzergrenadierdivision in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern).Er war im Sommer vergangenen Jahres als "Manager" des Bundeswehr-Hilfseinsatzes an der Oder bundesweit bekannt geworden.Vom 18.Juli bis 10.Oktober kämpften insgesamt rund 30 000 Soldaten an der "Hochwasserfront", unterstützt von zahlreicher schwerer Technik und Hubschraubern.Das vierte Korps besteht aus sechs Panzer-, Panzergrenadier- oder Jägerbrigaden.Die beiden unterstellten Divisionskommandos liegen in Leipzig und Neubrandenburg, zwei Wehrbereichskommandos sind in Kiel und Leipzig. Bei der militärischen Übergabe-Zeremonie in der Tresckow-Kaserne in Potsdam-Wildpark warnte der stellvertretende Heeresinspekteur, Generalleutnant Edgar Trost, in ungewöhnlich scharfer Form davor, die Bundeswehr wegen einzelner rechtsradikaler Vorfälle "pauschal in die braune Ecke zu stellen." Zwar gebe es angesichts der "rechtsextremistischen Vorfälle nichts zu beschönigen", sagte Trost in seiner Rede vor 400 in- und ausländischen Gästen aus Militär, Politik, Wirtschaft und Kirchen."Jeder einzelne Fall ist einer zuviel." Doch das "von Teilen der Medien und der Politik" gezeichnete Bundeswehr-Bild von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Duckmäusertum sei falsch.Es verdränge zudem die Leistungen der Truppe wie den erfolgreichen SFOR-Einsatz in Jugoslawien. "Für rechtsextremistische Funktionäre und Unbelehrbare ist kein Platz in den Streitkräften", betonte der General.Vielmehr werde das Phänomen, das sich "auf fehlgeleitete junge Wehrpflichtige" konzentriere, "aus der Gesellschaft in die Bundeswehr hineingetragen".Die Häufung rechtsextremistischer Vorfälle sei besorgniserregend und dürfe nicht verschleiert werden, sagte Ministerpräsident Manfred Stolpe.Es sei jedoch anzuerkennen, daß die Bundeswehr Gegenmaßnahmen ergriffen habe.Sie dürfe nicht zum "Auffangbecken" Rechter werden, die sich an der Waffe ausbilden lassen wollen."Wir müssen alle Anstrengungen fortführen, daß die Bundeswehr immun gegen Rechtsradikalismus bleibt", sagte General von Kirchbach, der im Auftrag von Verteidigungsminister Volker Rühe jüngst einen Arbeitskreis "Rechtsextremismus" geleitet hatte. Befehlshaber des IV.Korps soll von Kirchbach ein Jahr bleiben und danach - so die Entscheidung Rühes - Generalinspekteur der Bundeswehr werden.Als wichtigste Schwerpunkte bezeichnete der General den weiteren Brückenschlag zu den befreundeten Armeen in Osteuropa und die Gestaltung der inneren Einheit.Berlins Innensenator Jörg Schönbohm sagte in einem Grußwort, daß die Bundeswehr in der Hauptstadt ihren festen Platz habe: "Sie ist herzlich willkommen".Er freue sich auf das am 10.Juni vor dem Roten Rathaus stattfindende öffentliche Gelöbnis.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben