Von Schönefeld nach Schönhagen : Polizeihubschrauber müssen umziehen

Am Flughafen BBI ist kein Platz, die Polizeihubschrauber sollen nach Schönhagen. Das ärgert die Piloten – und die Anwohner, weil mit vielen Nachtflügen zu rechnen ist.

Thorsten Metzner
Polizeihubschrauber
Abgehoben. Ende des Jahres sollen die Hubschrauber der Brandenburger Polizei den Flughafen Schönefeld verlassen. -Foto: dpa

Schönefeld/SchönhagenDa liegt Ärger in der Luft: Die Hubschrauberstaffel der brandenburgischen Polizei, noch am Flughafen Schönefeld stationiert, soll dem neuen Airport BBI weichen. Der bisherige Hangar für die beiden mit Nacht sichtgeräten, Wärmebildkameras und Spezialtechnik ausgerüsteten Eurocopter 135 steht der neuen Landebahn im Weg. Deshalb muss die Hubschrauberstaffel zum Jahreswechsel 2009/2010 auf den gut 50 Kilometer entfernten Landeplatz Schönhagen zwischen Beelitz und Trebbin umziehen, entschied das Innenministerium. Doch dagegen formiert sich jetzt Protest - in der Staffel, aber auch bei Anwohnern und Umweltschützern in Schönhagen, die ein Aushebeln des dortigen Nachtflugverbotes und negative Auswirkungen für ein angrenzendes Vogelschutzgebiet befürchten.

Das Innenministerium begründet den Zuschlag für Schönhagen, zentral im südlichen Berliner Umland gelegen, mit "wirtschaftlichen" und "praktischen" Aspekten. "In diesem Raum werden die meisten Einsätze geflogen", so ein Sprecher. Zuvor war zum einen ein Umzug nach Blumberg (siehe Kasten) verworfen worden, wo die Hubschrauberstaffel der Bundespolizei stationiert ist. Der Landespolizei wurde zum anderen auf dem BBI ein Alternativstandort angeboten, den die Fachleute intern favorisierten: Schließlich habe sich die Nähe zum Schönefelder Passagierflughafen mit seiner Infrastruktur - vorhandene Sicherheitszäune, Feuerwehr und Tankanlagen - bewährt. Dass dies in den Wind geschlagen wird, sorgt in der Staffel für "Frust", wie ein Mitglied formuliert. "Man setzt mit fadenscheinigen Argumenten auf Schönhagen", klagt Andreas Schuster, Landeschef der Polizeigewerkschaft, die eine "Korrektur der Fehlentscheidung" fordert. "Es spricht alles gegen den Standort."

Ein Vogelschutzgebiet und andere Widrigkeiten

Alles? Offenbar nicht: Nicht nur in der Staffel vermutet man, dass die Schönhagen-Vorliebe des Ministeriums einen anderen Grund hat. Im Gegensatz zum BBI können dort auch die Mini-Gyrocopter, die umstrittenen Ein-Mann-Tragschrauber starten, die das Ministerium spektakulär testen ließ. Offensichtlich sollen sie angeschafft werden, heißt es. "Das hat für die Standortentscheidung keine Rolle gespielt", sagt dagegen das Ministerium. In der Polizei hält sich zudem der Verdacht, dass daneben auch die Anschaffung eines Kleinflugzeuges für die Polizei und Potsdamer Regierungsflüge geplant ist, das ebenfalls nicht in Schönefeld, wohl aber in Schönhagen starten dürfte. Davon sei "nichts bekannt", so ein Sprecher.

Unmut gibt es auch so schon. Direkt an den bislang nicht umzäunten Flugplatz grenzt das europäische Vogelschutzgebiet Nuthe-Nieplitz-Niederung. Das Landesbüro der Naturschutzverbände hat das Innenministerium bereits darauf hingewiesen, dass es nach dem geltenden Planfeststellungsbeschluss in Schönhagen pro Nacht maximal zwei Flüge, pro Monat 15 Nachtflüge geben darf, was mit den öfter eingesetzten Polizeihubschraubern kaum eingehalten werden könnte. Die flogen 2008 monatlich rund 17 Nachteinsätze. "Bereits einzelne Überflüge über Schlafplätze von Rastvögeln wie Kraniche, Gänse und Enten können dramatische Auswirkungen auf die Bestände haben", heißt es in dem Brandbrief. Auch die Bürgeriniative Schönhagen will nicht lockerlassen, sagt Sprecher Norbert Wagner: "Die Leute wollen nachts ihre Ruhe."

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