Von Tag zu Tag : Glücksspiel

Christian van Lessen sieht bessere Chancen für die Gedächtniskirche

Christian van Lessen

In den letzten Tagen, Wochen, – ach – Monaten, kamen immer wieder rührende Nachrichten aus der Gedächtniskirche: Da gab es zur Rettung ihres maroden Turms prominente Konzerte oder eine versteigerte Turm-Tour, jetzt stehen eine Kunst-Auktion und ein Gummi-Entenrennen an. Die Spendensammler ließen und lassen sich stets und unverdrossen Originelles einfallen, um mehr oder weniger kleckerweise Euros für die anstehende, mindestens 3,5 Millionen Euro teure Sanierung aufzuhäufen. Das bisher angesparte Sümmchen dürfte ausreichen, ein stattliches Einfamilienhaus zu errichten, nicht aber, ein Wahrzeichen zu retten. Das mag rätselhaft und Anlass sein, über die City-West als Standortnachteil nachzudenken. Immerhin gibt es bereitwilligst öffentliches Geld für die East Side Gallery. Aber für den weltbekannten Turm? Bisher Fehlanzeige. Nun hat das Land Berlin aber offenbar den Ernst der Lage erkannt und mitbekommen, dass die Kirche Symbolkraft hat, die zu retten ist. Der Antrag der Kulturverwaltung auf eine Million Lottomittel lässt zumindest hoffen, dass der Senat die Zukunft der Gedächtniskirche nicht nur als Glücksspiel begreift.