Von Tag zu Tag : Marode Mauern

Christian van Lessen hofft auf Spenden für Berlins berühmteste Ruine

Christian van Lessen

Schön, dass für ein bröckelndes Mahnmal politischer Scheußlichkeit, die East-Side-Gallery, Millionen Euro bereitstehen, um es zu sanieren und herauszuputzen. Schön, dass reichlich öffentliche Gelder spendiert werden, um das Mauerstück ansehnlicher zu machen und wieder als das zu zeigen, was es mal war: ein farbiges Denkmal weltweiter Freude. Künstler dürfen auffrischen, auch die Erinnerung. Es wäre beruhigend, auch ein anderes bröckelndes Mahnmal in rettenden Händen zu wissen. Berlins und Deutschlands Wahrzeichen und Mahnmal gegen den Krieg, die weltweit bekannteste Turmruine – sie scheint der Stadt keinen müden Euro wert. Die dringende Sanierung des alten Turms der Gedächtniskirche ist privaten Spendern und Sponsoren überlassen, wird sich vermutlich verzögern und hinziehen. Dass internationale Künstler jetzt Initiative ergreifen und Werke zugunsten des Turms versteigern wollen, ist vielleicht ein Ansporn für die allgemeine Spendenbereitschaft – und auch für ein klares Ja-Wort des Senats. Schön wär’s. (Seite 9)