Vorsicht : Deutlich mehr Wildunfälle in Ortschaften

Mehr als 250 Menschen wurden im Jahr 2008 bei Wildunfällen verletzt. Damit stieg die Zahl um ein Viertel auf 2024 Unglücke. Vor allem in Dörfern und Städten treffen Mensch und Tier immer häufiger zusammen.

Claus-Dieter Steyer

Potsdam„Vorsicht Wildwechsel“ – dieses Schild wird möglicherweise in Brandenburg künftig auch am Eingang von Ortschaften stehen. Die Zahl der Wildunfälle in Dörfern und Städten ist nach Angaben von Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (SPD) innerhalb eines Jahres um etwa ein Viertel gestiegen. Im Jahr 2008 wurden 2024 Fälle gezählt, bei denen Autos oder Züge in Ortschaften mit Wild zusammenprallten, 2007 waren es noch 1595 Fälle. Vor allem die starke Vermehrung von Wildschweinen nennt der Minister als Grund. Sie würden immer häufiger in Wohngebiete eindringen. Doch auch Füchse, Waschbären oder Rehe hätten oft die Angst vor Siedlungen verloren.

Laut Woidke stieg auch die Gesamtzahl der Wildunfälle 2008 im Land an, allerdings nur um knapp zwei Prozent auf 15576. 250 Menschen erlitten bei diesen Unglücken im Vorjahr ernsthafte Verletzungen. Jährlich verlieren im Schnitt drei Personen bei Wildunfällen ihr Leben. Deshalb appelliert das Ministerium an Auto- und Kradfahrer, das Risiko nicht zu unterschätzen. Nach Angaben der Autobahnpolizei entspricht das Aufprallgewicht eines 80 Kilogramm schweren Wildschweins bei Tempo 50 dem Körpergewicht eines Nashorns – nämlich zwei Tonnen.

Der ADAC schätzt, dass rund ein Drittel aller „Baumunfälle“ in Brandenburg auf den Wildwechsel zurückgehen. Das war auch der Grund eines schweren Unglücks in der vergangenen Woche auf einer schnurgeraden Allee bei Bestensee. Dort prallte ein Motorradfahrer gegen einen Baum und erlag wenig später seinen Verletzungen. Zunächst teilte die Polizei mit, der Mann sei „aus ungeklärter Ursache“ von der Fahrbahn abgekommen. Spätere Ermittlungen ergaben jedoch, dass er zuvor einem über die Straße gesprungenen Reh ausgewichen war.

Bernd Möller, der Geschäftsführer des Brandenburger Landesjagdverbandes, sagt: „Derzeit ist gerade im Berliner Umland zu jeder Tageszeit mit Rehen auf den Fahrbahnen zu rechnen.“ Das liege vor allem am „schönen Wetter und der damit gestiegenen Zahl von Spaziergängern mit und ohne Hund in den Wäldern und in der Heide.“ Diese würden die Rehe aufscheuchen und sie flüchten lassen.

Wildwechsel ist zu jeder Tageszeit möglich

Bei vielen Autofahrern hat sich zudem ein oft verhängnisvoller Irrtum festgesetzt: Gerade während der Dämmerung in den Morgen- und Abendstunden sei eine Fahrt über Land gefährlich. Denn da würden schließlich die meisten Unfälle passieren, heißt es oft. Dabei, sagt Möller, sind „Wildtiere immer unterwegs. Sie können nur in der Dämmerung schlechter erkannt werden, weshalb es hier öfter zu Unfällen kommt.“ Im Sommer würde die Hauptbewegungszeit sogar in den Mittagsstunden liegen. Deshalb seien die Warnschilder „Wildwechsel“ in jedem Fall sehr ernst zu nehmen.

Wildschweine zieht seit Wochen allein der Hunger an die Ränder von Straßen und Autobahnen wie der verlängerten Avus bei Zehlendorf. Sie haben das Salz aus den Auftaumitteln der Winterdienstfahrzeuge aufgeleckt und suchen nun unter der dünnen Grasnarbe nach Würmern und Käfern. Da kann es leicht passieren, dass die Tiere unvermittelt die Fahrbahn überqueren.

Der ADAC rät dazu, angesichts von Warnschildern unbedingt das Tempo zu verringern und die Bremsbereitschaft zu erhöhen. „Durch das Abblenden der Scheinwerfer wird dem Tier die Möglichkeit zu Flucht gegeben. Eine starke Lichtquelle irritiert sie. Durch Hupen können die Tiere ebenfalls verscheucht werden.“ Bei einem Zusammenstoß sollte mit maximaler Leistung das Fahrzeug abgebremst und das Lenkrad gut festgehalten werden, um die Fahrspur beizubehalten, so ein weiterer Ratschlag.

Als bestes Mittel gegen Wildunfälle haben sich aus Sicht der Polizei Zäune erwiesen, wie es sie zumindest entlang der meisten Autobahnen und mancher Schnellstraßen gibt.

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