Der Tagesspiegel : Vorsichtig fällt sogar der Name Schipanski

MICHAEL MARA,THORSTEN METZNER

POTSDAM .Es gibt ein Thema, bei dem Stolpe-Herausforderer Jörg Schönbohm - sonst nach eigenen Worten ein Mitglied des Clubs der klaren Sprache - wirklich einsilbig wird: Wen würde, ja wen könnte die CDU, falls sich nach der Landtagswahl der Traum von der Großen Koalition tatsächlich erfüllen sollte, in die Regierung schicken? Bisher war dazu vom früheren Berliner Innensenator, Ex-Bundeswehr-General und Hardthöhen-Staatssekretär nur ein einziger dürftiger Satz zu hören: Er selbst strebe kein Ministeramt an und würde lieber Fraktionschef werden.Ein klares Nein war das nicht.Schönbohm betont auch, er wolle nicht den Eindruck erwecken, "als hätten wir den Sieg schon in der Tasche".Andererseits hat der CDU-Spitzenkandidat vorsorglich schon mal zwei Ministerien für die CDU reklamiert: Bildung und Wirtschaft, beides Ressorts, die die bislang alleinregierende SPD ohnehin neu besetzen muß.Aber wer soll sie führen?

Auf den Fluren des Potsdamer Landtages höhnen SPD-Genossen schon mal: Der General habe zwar Fußvolk, aber "keine Kommandeure".Eine Kostprobe: "Können Sie sich etwa Herrn X als Minister vorstellen?" Das sehen alte Haudegen der märkischen Union, die die Grabenkämpfe der letzten Jahre überstanden haben, freilich ganz anders.Ebenso die von Schönbohm auf die CDU-Landesliste gesetzten jungen und ehrgeizigen Aufsteiger.So mancher hält sich selbst für ministrabel oder spekuliert auf einen Staatssekretär-Posten.Offiziell tut aber niemand einen Mucks.Bisher gibt es nur einen, in der fernen Lausitz, der sich aus der Deckung wagte: Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt, der aus Cottbus eine Erfolgsstadt gemacht hat und bei der SPD-Landesregierung hochangesehen ist.Kleinschmidt, zugleich Präsident des Brandenburger Städte- und Gemeindebundes, kann sich durchaus vorstellen, bei einer Großen Koalition ein Regierungsamt zu übernehmen.

Aber Schönbohm schreckt davor zurück, zum jetzigen Zeitpunkt Kandidaten für die reklamierten Ressorts oder überhaupt für eine Regierungsmannschaft zu benennen.Auf diese Linie verständigte sich vorige Woche auch der geschäftsführende CDU-Landesvorstand.In der vertraulichen Runde hieß es fast einhellig: Würde man sich jetzt schon festlegen, gäbe es zwangsläufig neue Unruhe in der gerade erst befriedeten Partei."Verletzte Eitelkeiten gibt es bei uns genug." Offiziell ist das Thema erst einmal vertagt worden.Inoffiziell gilt - neben Schönbohm selbst - aus der Fraktion nur der Vorsitzende Wolfgang Hackel als ministrabel.Der Berliner Politprofi und Unternehmer ist ein ausgewiesener Finanzexperte.Die beiden von Schönbohm zur Stärkung der bislang vernachlässigten Felder Justiz und Wirtschaft auf sichere Listenplätze gesetzten jungen Seiteneinsteiger, die Berliner Anwältin Barbara Richstein und der Jungmanager Christian Ehler, sollen laut Schönbohm in den nächsten fünf Jahren erst einmal "fit gemacht" werden.

Blieben also nur Importe.Vorstandsmitglieder räumen allerdings ein, daß es nicht einfach sein werde, kompetente Politiker mit Führungsstärke und Ausstrahlungskraft "für Stolpes Provinz" zu gewinnen."Stolpe hat ja das gleiche Problem." Doch wird befürchtet, daß man in Zugzwang kommen könnte.Dann nämlich, wenn der Regierungschef vor der heißen Phase des Wahlkampfes noch einen zugkräftigen Nachfolger für den in die Energiewirtschaft wechselnden Wirtschaftsminister Burkhard Dreher präsentieren sollte.Dies wird in Regierungskreisen gemunkelt.Prompt werden auch in der Union erste Wunschnamen genannt.Zum Beispiel Rita Süssmuth, die frühere Bundestagspräsidentin, die Präsidentin der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder) werden will.Ein CDU-Mann: "Sie wäre eine glänzende Bildungs- oder Wissenschaftsministerin." Schließlich fällt - ganz vorsichtig - auch noch ein anderer Wunschname, der in dieser Stunde bundesweit in aller Munde ist: Schipanski.Schönbohm ließ am Freitag in einer Presseerklärung mitteilen, er hoffe, daß bei der heutigen Bundespräsidentenwahl ein "kleines Wunder" geschehe und die Unionskandidatin mit Ostbiographie gewählt werde.Parteifreunde greifen das Stichwort sogleich auf: "Wenn nicht, könnte sie unser Pendant zu Regine Hildebrandt sein", schwärmt ein CDU-Mann.Ob wohl Dagmar Schipanski demnächst ein Angebot ihrer Parteifreunde in Brandenburg erhalten wird?

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