Wagner-Festspiele : Götterdämmerung in Bayreuth

Nächste Woche beginnen die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Endet in diesem Jahr die Ägide von Wolfgang Wagner? Tochter Katharina gibt ihr Regiedebüt und steht als Nachfolgerin bereit.

Stephan Maurer[dpa]
Katharina Wagner
Alle schauen auf Katharina: Die Urenkelin Richard Wagners und Tochter von Festspiel-Chef Wolfgang Wagner könnte bald das Zepter in...Foto: ddp

BayreuthVielleicht werden sie in die Geschichte eingehen, die 96. Richard-Wagner-Festspiele, die am 25. Juli in Bayreuth eröffnet werden. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass es die letzten Festspiele unter der Ägide von Wolfgang Wagner sind. Seit 1951 regiert er auf dem "Grünen Hügel", zunächst mit Bruder Wieland, seit dessen Tod 1966 alleine. Nun könnte die Stabübergabe des fast 88-jährigen Patriarchen an Tochter Katharina kurz bevorstehen.

Ausgerechnet die Meistersinger

Auf die 29-Jährige werden sich aller Augen richten, wenn sie am Eröffnungstag in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und zahlreicher weiterer Prominenz ihr Regiedebüt im Festspielhaus gibt. Ausgesucht hat sie sich dafür ausgerechnet "Die Meistersinger von Nürnberg" - jene Oper, die ihr Vater drei Mal in Bayreuth inszenierte und mit der er sich am 28. August 2002 als Regisseur vom Festspielpublikum verabschiedet hat.

Was die "Meistersinger" betrifft, bleibt die Familien-Kontinuität also gewahrt. Wolfgang Wagner würde sich das auch für die Festspielleitung wünschen. Seit langem baut er Tochter Katharina als seine Nachfolgerin auf. Viel Druck lastet nun auf der jungen Frau, denn die "Meistersinger" sollen ihr Meisterstück werden. Danach könnte sie reif sein für die Festspielleitung. Wolfgang Wagners Gesundheit gilt als angeschlagen. Ernennt der Stiftungsrat im Herbst die Tochter zur Nachfolgerin, so würde der mit einem Vertrag auf Lebenszeit ausgestattete "Hügel"-Herrscher sich einem sofortigen Rücktritt vermutlich nicht länger versperren. Dagegen gilt es als schwer vorstellbar, dass er das Feld freiwillig für eine der anderen Kandidatinnen, Tochter Eva Wagner-Pasquier (62) oder gar Nichte Nike Wagner (62), räumt, mit denen er sich vor Jahren entzweit hat.

"Hier gilt's der Kunst", sagt Eva in den "Meistersingern" zu Hans Sachs, doch angesichts der Personalspekulationen rückt die Kunst in der diesjährigen Festspielsaison etwas in den Hintergrund. Gleich zwei junge Dirigenten geben ihr Debüt - Sebastian Weigle ("Meistersinger") und Christoph Ulrich Meier, der nach der überraschenden Absage von Fabio Luisi erst vor kurzem für den "Tannhäuser" nachnominiert wurde. Die ebenso beliebte wie belanglose Inszenierung von Philippe Arlaud kehrt nach einjähriger Pause wieder auf den Spielplan zurück.

Thielemann dirigiert den Ring

Den "Ring des Nibelungen" dirigiert wieder Christian Thielemann. Die letztjährige Neuinszenierung des Dramatikers Tankred Dorst brachte plakative Bilder, ließ aber die Handschrift des Regisseurs nicht recht erkennen. Komplettiert wird das Programm mit Christoph Schlingensiefs "Parsifal" (dirigiert von Adam Fischer). Die in einer Bilderflut schier ertrinkende Inszenierung des Berliner Theaterprovokateurs wird in dieser Saison zum letzten Mal gezeigt.

Auch eine Reihe von Sängern schnuppert erstmals Bayreuther Luft. Vor allem in den "Meistersingern" sind viele Neulinge dabei, allen voran in den Hauptrollen Franz Hawlata als Sachs, Michael Volle als Beckmesser und Klaus Florian Vogt als Stolzing. Im "Tannhäuser" übernimmt der niederländische Tenor Frank van Aken bei seinem Bayreuth-Debüt gleich die Titelpartie. Insgesamt gibt es bis zum 28. August 30 Vorstellungen, die allesamt ausverkauft sind.