Wahl in Frankreich : Schwere Niederlage für rechtsextreme Front National

Bei der Parlamentswahl in Frankreich hat die rechtsextreme Partei Front National schwere Verluste hinnehmen müssen. Sarkozy erzähle den Franzosen "goldene Lügen", erklärte Le Pen.

Paris/Saint-CloudBei der Parlamentswahl in Frankreich hat die rechtsextreme Partei Front National (FN) schwere Verluste hinnehmen müssen. Nach dem in der Nacht zum Montag veröffentlichten vorläufigen amtlichen Endergebnis bekam die Partei von Jean-Marie Le Pen 4,3 Prozent der Stimmen und fuhr damit ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Wahl seit Anfang der 80er Jahre ein. Im Vergleich zur Parlamentswahl 2002 verlor sie sieben Prozentpunkte. Wie schon bisher wird die Partei voraussichtlich nicht in der Nationalversammlung vertreten sein. Noch Ende April hatte Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 10,4 Prozent der Stimmen geholt.

Le Pen räumte am Sonntagabend in seiner Parteizentrale in Saint-Cloud bei Paris eine "Niederlage" ein. Dafür verantwortlich machte er den konservativen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der den Franzosen "goldene Lügen" erzähle. Als einzige Vertreterin der FN schaffte Le Pens Tochter Marine den Einzug in die zweite Wahlrunde am kommenden Sonntag. Sie erhielt in ihrem Wahlkreis im nordfranzösischen Département Pas-de-Calais 24,47 Prozent der Stimmen und landete damit hinter einem Sozialisten auf dem zweiten Platz. Ein Sieg der FN-Politikerin im Stechen gilt als unwahrscheinlich.

Weniger Geld für die Front National

"Die FN ist nicht tot", sagte Marine Le Pen, die Stellvertreterin ihres Vaters an der Parteispitze ist und als mögliche Nachfolgerin des 78-jährigen FN-Gründers gilt. Sarkozy werde die Franzosen enttäuschen. Ihre Partei müsse sich jetzt aufstellen, "um die Enttäuschten einzusammeln". Le Pen räumte aber ein, dass die Arbeit der Partei schwieriger werde, weil sie nun mehrere Millionen Euro weniger Geld aus der Wahlkampfkostenerstattung bekommen werde. Dies werde "wahrscheinlich" zu Entlassungen im Parteiapparat führen.

Ihr bisher bestes Ergebnis bei Parlamentswahlen hatte die FN 1997 mit 14,94 Prozent errungen. Le Pen hatte 2002 bei den Präsidentschaftswahlen für Aufsehen gesorgt, als er mit fast 17 Prozent der Stimmen in die Stichwahl gegen den damaligen Amtsinhaber Jacques Chirac einzog. (mit AFP)