Wahlkampf : Oskar Lafontaine schimpft in Königs-Wusterhausen

Auf dem Weg zum Rednerpult vor der tiefrot angestrahlten Saalwand begleitet ihn tosender Applaus: Eine Woche vor den Brandenburgischen Kommunalwahlen kam Oskar Lafontaine nach Königs Wusterhausen.

Christoph Stollowsky

Königs-Wusterhausen - Stehend klatschen viele seiner Anhänger, die – nach den Autokennzeichen zu schließen – am Dienstagabend aus der ganzen Region in den Saal der Stadtverwaltung in Königs Wusterhausen gekommen sind. Oskar Lafontaine, Parteichef der Linken, biegt sich schmunzelnd das Mikro zurecht, breitet kurz wie ein Star zur Begrüßung die Arme aus und schlägt dann eine Woche vor den Brandenburgischen Kommunalwahlen einen großen Bogen „von den Problemen der Dörfer und Städte“ zur großen Weltpolitik.

Sein großes Thema als angereister Wahlhelfer für seine Partei ist die aktuelle Finanzkrise. Und da schlägt er, mit dem Zeigefinger fuchtelnd, gleich heftige Töne an: „Wir sind in den vergangenen Jahren finanzpolitisch von Leuten regiert worden, die total verrückt waren.“Unmäßige Renditen hätten die Bankenchefs gefordert, und nun, nach dem „der Finanzkapitalismus“ zusammengebrochen sei, könne man in den USA den „Treppenwitz der Weltgeschichte“ beobachten. Mit dem „gigantischen Aufkauf fauler Kredite“ durch die US-Regierung, würden die Banken verstaatlicht.

Nun ist es still geworden in dem großen Bürgersaal, den mehr als 400 Menschen füllen. Wer hustet, fällt fast unangenehm auf, als Lafontaine mit fast pastoraler Stimme aufzählt, was seine Partei alles besser machen will, damit die „Finanzmärkte klare und strenge Regeln“ bekommen. Da müsse man sicherstellen, das große Kapitalsummen „nicht mehr einfach zwischen den Ländern hin- und her geschoben werden dürfen“. Außerdem müsse künftig von einem staatlichen Tüv geprüft und genehmigt werden, was sich als „Schrott“ erwiesen habe. „Hier geht es um diese ganzen gehandelten Finanzpapiere!“, ruft der gerade 65 Jahre alt gewordene weißhaarige Parteichef, nestelt an der Krawatte und nimmt dann schnell das nächste Thema in Angriff.

Dabei blickt er gezielt auf die vielen Zuhörer im Rentneralter, die sich einen Platz ganz vorne gesichert haben. Die Privatisierung der Rentenversicherung sei ein „großangelegter Schwindel“ gewesen, nun gehe es darum, wieder um Vertrauen für die staatliche Rentenversicherung zu werben. Dann unternimmt Lafontaine eine Zeitreise zurück zu den Grundforderungen der Arbeiterbewegung, die er häufig und gerne als seine Basis zitiert, und wirft den Unternehmern vor, permanent ihre Arbeitnehmer zu enteignen. „Die Mitarbeiter“, sagt er, „müssen einfach demokratische Mitsprache erhalten.“ Christoph Stollowsky

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