Wakeboarding : Per Anhalter durch die Wellen

Während die Mehrheit am vergangenen Feiertagswochenende ausspannte und Ostereier suchte, zeigten sich einige Sportive bereits hart im Nehmen und begingen nasskalt den offiziellen Start der Wakeboardsaison. Ein Erlebnisbericht.

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Wakeboard
Durch die Fluten pflügen. -Foto: dpa

Noch traue ich dem Wetter nicht so richtig. Unbeständig und richtiges „Aprilwetter“. Die vergangenen Monate brachten schließlich nicht nur mir den Gefühlsblues, die Grippe oder Verdruss über überforderte Räumdienste. Da fällt Vertrauen schwer.

Und nun - die letzten Schneehäuflein sind längst geschmolzen und vergessen, so manche Bar bietet inzwischen großflächig Bestuhlung für Sonnenhungrige an - werfen sich die ersten Eisenharten am Osterwochenende auf die Seen Brandenburgs, den Wassertemperaturen trotzend, und lassen sich, mal mehr, mal weniger gekonnt, auf einem Brett am Drahtseil durchs Nass ziehen. Wakeboarding nennt sich das, ist längst nicht neu und sogenannte Trendsportart. Und ich mittendrin, zum osterlichen „Anwaken“, den ersten Tagen dieser Saison.

Doch vorerst stehe ich eher am Rand, nicht eisenhart, vielmehr starr, denn es gießt in Strömen und die Temperatur des Sees beträgt noch kümmerliche 10 Grad. „Da soll ich rein?“ Von meiner Euphorie während der Hinfahrt bleibt mir trotz Neoprenanzug wenig, nachdem der Fußtest bereits verspricht: kalt, kalt, kalt.

Der Regen peitscht mir ins Gesicht. Inzwischen bin ich völlig durchnässt. Jetzt ist auch alles eins und ich reihe mich trotzig in die Schlange der Wagemutigen. Die Anspannung wächst. Vor mir scheinen nur Profis am Werk zu sein, kein einziger Bauchklatscher, vielmehr übertrifft hier jeder seinen Vordermann. Das kann nur in die Hose gehen. Vor meinem geistigen Auge erscheint bereits mein peinlicher Fehlstart und ich verkrampfe mich zusehends. Dann bin ich plötzlich an der Reihe. Mir wird der Griff des Mitnehmers gereicht. Da, mein Startsignal kommt. Grün. Ein Stoß.

Und statt wie gedacht jede Menge Wasser zu schlucken, saust der Mitnehmer davon und ich mit ihm. Allen Ängsten und Erwartungen zum Trotz stehe ich noch, wenn auch wackelig, und genieße das schwerelose Gefühl und die Zeitlosigkeit auf dem Brett, bis mir nach ungezählten Runden meine vorschnelle Routine zum Verhängnis wird und ich abrupt im Wasser lande. Die Realität hat mich wieder. Und, die Hände und der Kopf von der Kälte inzwischen tiefrot, verlassen mich meine Kräfte und meine Arme versprechen bereits „Morgen gibt es kräftigen Muskelkater.“ Die Euphorie des Tages aber nehme ich mit und sie wird bleiben. Und mit ihr das Versprechen, ich komme wieder.

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