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Wald in Flammen : Großbrand bei Jüterbog wird aus der Luft bekämpft

Auf einem früheren Truppenübungsplatz bei Jüterbog stehen inzwischen 230 Hektar Wald in Flammen. Die Feuerwehr sieht keine Gefahr für angrenzende Ortschaften und bekämpft den Brand aus der Luft.

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Nach dem Feuer in der Nähe von Jüterbog. Das ehemalige Truppenübungsgelände ist gefährdet und gefährlich. Eine Bildergalerie.Alle Bilder anzeigen
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14.07.2010 11:29Nach dem Feuer in der Nähe von Jüterbog. Das ehemalige Truppenübungsgelände ist gefährdet und gefährlich. Eine Bildergalerie.

Die ganze Hoffnung der Feuerwehrleute an dem seit Sonntag in Flammen stehenden riesigen Waldgebiet bei Jüterbog richtet sich auf den Himmel. Allerdings halten sie nicht nach Regen Ausschau, sondern nach Agrarflugzeugen mit großen Wasserbehältern an Bord. Diese donnern fast pausenlos über ihren Köpfen und werfen pro Einsatz 2 200 Liter Nass auf das sich immer weiter fressende Feuer. Den Feuerwehren selbst sind die Hände gebunden. Sie stehen hinter einem rund 50 Meter breiten Streifen umgepflügter Erde, der die Flammen aufhalten soll. „Wir lassen das Feuer jetzt kontrolliert abbrennen und verhindern nur eine weitere Ausbreitung“, sagt der Einsatzleiter der Feuerwehr, Reinhard Kohl am Rande der kleinen Ortschaft Pechüle. „Hinein in den Brandherd können wir wegen der detonierenden Munitionsreste nicht. Das wäre viel zu gefährlich.“ So sind bisher rund 236 Hektar Wald ein Raub der Flammen geworden. 300 Fußballfelder hätten darauf Platz.

Revierförster Jens Bandelin sieht seinen Wald nicht das erste Mal brennen. Schon 2003 und 2008 musste er arge Verluste beklagen. Die Ursache sei immer wieder gleich. „Bei Jüterbog bestand im Zweiten Weltkrieg eine große Munitionsfabrik mit einem riesigen Lager“, erzählt er. „Die Wehrmacht versuchte im Frühjahr 1945 vor den anrückenden sowjetischen Truppen sämtliche Munition zu sprengen und karrte das ganze Zeug zu großen Bergen zusammen.“ Doch bei den folgenden Aktionen seien längst nicht alle Granaten, Bomben und Artilleriemunition vernicht worden. Soldaten hätten die Reste dann in Löchern auf dem ganzen Truppenübungsplatz vergraben.

Nach dem Abzug der russischen Soldaten vom Übungsplatz Anfang der neunziger Jahre machten sich dann vermeintliche Schatzsucher auf dem Gelände zu schaffen und gruben die Munition anhand von alten Karten unter Lebensgefahr aus. Sie nahmen aber zum Glück nur einen Teil mit. Der andere liegt nun weit verstreut in der Landschaft. „Die Spitzen der langsam vor sich hin rostenden Granaten enthalten Phosphor, das sich leicht entzündet“, erklärt Revierförster Bandelin die Gefährlichkeit gerade dieses Übungsplatzes.

Neben den Hinterlassenschaften der Wehrmacht findet sich aber auch Munition aus der Kaiserzeit und der russischen Armee auf dem insgesamt 7 000 Hektar großen Truppenübungsplatz.

Der gehört zum größten Teil der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, die hier eine Wildnis entstehen lassen will. „Deshalb gibt es außer den Kosten der Feuerwehr keine materiellen Verluste“, sagt der Vorstandsvorsitzende Hubertus Meckelmann. „Aus der Sicht der Naturschützer gehören Brände zum ganz natürlichen Werden und Vergehen.“

Die Menschen in den umliegenden Orten betrachten dagegen die Rauchsäulen und den stechenden Brandgeruch mit gemischten Gefühlen. „Vorsichtshalber sind mehrere Schläuche einsatzbereit, um das Haus abzuspritzen“, sagte eine ältere Frau in Pechüle. „Aber auf unsere Feuerwehr ist schon Verlass, denn die haben ja genügend Erfahrung mit den Munitionsbränden.“

Das Feuer selbst dehnte sich überwiegend kriechend am Erdboden aus. Hier bietet das trockene Unterholz genügend Brandmasse. Auf einem Drittel der Fläche sprangen die Flammen auch von den Baumkronen weiter. Vernichtet wurden vor allem Kiefern und Birken.

Unterdessen forderte der CDU-Landtagsabgeordnete Danny Eichelbaum die Landesregierung erneut auf, ein Kampfmittelbeseitigungskonzept aufzustellen, in dem ein Zeitplan für die Munitionsbergung festgelegt wird. „Die ehemaligen Truppenübungsplätze im Land Brandenburg sind wegen der immer noch vorhandenen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg tickende Zeitbomben“, sagte er. Fast in jedem Jahr komme es in Jüterbog im Hochsommer zu Großbränden. Die leicht entzündbare Munition behindere die Löscharbeiten der Feuerwehren.

Künftig soll ein rund 50 Kilometer langer Schutzstreifen rund um die am stärksten mit Altmunition belastete Fläche die Ausdehnung eines Waldbrandes verhindern. Davon sind bisher erst 60 Prozent fertig. Es könnte also bei Jüterbog weiter brenzlig bleiben.In ganz Brandenburg gilt inzwischen die höchste Waldbrandwarnstufe. (mit ddp)

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