Waldschlösschenbrücke : Unesco-Entscheidung zum Elbtal rückt näher

In Neuseeland hat die Sitzung des Welterbekomitees der Unesco begonnen. Die Delegierten entscheiden unter anderem, ob dem Dresdner Elbtal der Titel Welterbe aberkannt wird.

In Neuseeland hat die für Dresden und Heidelberg spannende Sitzung des Welterbekomitees der Unesco begonnen. Die Delegierten entscheiden unter anderem, ob dem Dresdner Elbtal der Titel Welterbe aberkannt und ob Heidelberg neu in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen wird. Die Entscheidungen werden nach Angaben aus Teilnehmerkreisen nicht vor Anfang nächster Woche erwartet.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hat nach Informationen der "Sächsischen Zeitung" im Streit um die Waldschlösschenbrücke an Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) appelliert: Die Vertreter der Bundesrepublik müssten bei der Welterbe-Komitee-Tagung in Neuseeland die deutsche Rechtsprechung beachten. Sie dürften "nicht nur subjektive Fragen der Landschafts- oder Brückengestaltung berücksichtigen", schreibt Milbradt in einem der Zeitung vorliegenden Brief an Steinmeier.

Aberkennung wäre einmaliger Vorgang

Die etwa 20 Kilometer lange Flusslandschaft steht seit 2006 wegen der Brücke auf der Roten Liste der gefährdeten Welterbestätten. Die Aberkennung des 2004 verliehenen Titels wäre ein bisher einmaliger Vorgang.

Es wäre für die Außenwirkung Deutschlands nicht zuträglich, wenn die in Christchurch vertretene Position mit der deutschen Rechtslage "nicht in Einklang zu bringen wäre", betonte Milbradt. Zudem stehe "unstrittig fest, dass die Stadt Dresden dem Bürgerentscheid Vorrang einzuräumen hat."

Alternativer Brückenentwurf als Kompromiss

Die Stadt Dresden wird dem Komitee gegen den Willen des Freistaates einen alternativen Brückenentwurf als Kompromissangebot vorlegen. Sie war an allen Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht gescheitert, den Bau der bislang geplanten Brücke zu verhindern. Nach Ansicht der Gerichte muss ein Bürgerentscheid für die Brücke aus dem Jahre 2005 umgesetzt werden. Mögliche Nachteile - wie der Verlust des Welterbestatus - müssten in Kauf genommen werden.

Bei der Unesco-Tagung in Christchurch stehen mehr als 40 Städte, Baudenkmäler und Landschaften auf der Bewerberliste, darunter Heidelberg, das Opernhaus in Sydney und die Buchenwälder der Karpaten in der Slowakei. (mit dpa)