Der Tagesspiegel : „Wandlitzsee ist kein Schnäppchen“

Der künftige Besitzer hat nicht einmal ein Ufergrundstück. Aber er darf fischen und jagen

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Der Wandlitzsee steht zum Verkauf, wie viele andere Gewässer in den neuen Bundesländern. Doch was macht man mit einem See, wenn man wie im Fall Wandlitz nicht einmal ein Ufergrundstück dazu erwerben kann? Der Tagesspiegel fragte Rechtsanwalt Hans Ludwig Körner, den Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft der Grundbesitzerverbände:

Warum kauft sich jemand einen See?

Aus vielerlei Gründen: Er kann zum Beispiel ein Naturliebhaber sein. Oft kaufen auch Umweltstiftungen, deren Ziel es ist, die Gewässer möglichst unberührt zu erhalten. Den meisten Käufern von Seen geht es wahrscheinlich aber um die kommerzielle Nutzung.

Also um den Fischfang?

Nicht nur. Man kann in einem Gewässer ja nicht nur angeln und fischen. Lohnenswert ist oft auch die Jagd auf Wasservögel. Da müsste der künftige Besitzer nur aufpassen, dass die Beute nicht am Ufer niederfällt, denn dann würde sie ja dem jeweiligen Eigentümer dieses Grundstücks gehören.

Jagen denn die meisten Seebesitzer?

Das glaube ich nicht. Aber sie können die Jagd ebenso wie die Fischereirechte natürlich verpachten.

Müssen die jetzigen Nutzer dann höhere Pachtpreise befürchten?

Das kommt darauf an, für welche Laufzeit sie ihre Verträge abschlossen. Generell ist das wie bei jedem anderen Immobilienverkauf auch: der Käufer tritt in die bestehenden Pachtverträge ein.

Die Treuhandtochter BVVG möchte, wie berichtet, einen Kaufpreis zwischen 400 000 und 500 000 Euro für den Wandlitzsee. Ist das ein Schnäppchen?

Ganz bestimmt nicht. Es wäre etwas anderes, wenn Ufergrundstücke dazu gehören würden, die man an Erholungssuchende, Wassersportler oder Angler vermieten kann. Allein mit der Fischerei oder mit der Jagd, die ja oft auch noch mengenmäßig begrenzt sind, kann man einen solchen Kaufpreis nicht so schnell wieder herausholen. Da müsste der neue Besitzer sich schon etwas anderes einfallen lassen: Gut bezahlte Bootsrennen auf dem See beispielsweise.

Muss der Eigentümer auch für die Wasserqualität garantieren?

Juristisch gesehen wäre er haftbar zu machen, wenn beispielsweise Badende durch verunreinigtes Wasser gesundheitliche Schäden davontragen.

Darf ein Besitzer seinen See auch trocken legen?

Warum sollte er das tun?

Um das Land dann in einzelnen Parzellen zu verkaufen. In Bayern gab es einen solchen Fall. Allerdings konnten die Käufer ihre Grundstücke wegen der Staunässe nicht nutzen.

Wenn jemand beispielsweise Bauland aus einem trocken gelegten See gewinnen will, würde er dafür nie eine Zustimmung erhalten. Deshalb ist das eine sehr theoretische Option genau wie beispielsweise das manchmal befürchtete „Versetzen“ eines Sees. Das ist ohnehin unmöglich.

Warum?

Weil man dazu ja auch die Quellen mitnehmen müsste. Und die werden aus Grundwasser gespeist. Das wiederum kann der Seebesitzer nicht mit erwerben.

Aber „Wandlitzwasser“ in Flaschen abfüllen und verkaufen, das dürfte man?

Ohne Frage. Aber meinen Sie, dass sich dafür ein Käufer findet?

Das Gespräch führte Sandra Dassler

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