Der Tagesspiegel : Warum gewannen Sie so knapp, Herr Jakobs?

-

Warum ist das Wahlergebnis so knapp für Sie ausgefallen?

Das liegt vor allem daran, dass die Wahlbeteiligung so niedrig war. Es ist das eingetreten, was ich befürchtet habe, nämlich dass die PDS ihre Wählerschaft mobilisieren kann und beinahe sogar gewinnt.

Ist es bedenklich, dass die PDS in Potsdam nach der Ära Platzeck noch so stark ist?

Man muss es relativ sehen. Das Wahlergebnis spiegelt nicht die wirkliche politische Stimmung in der Stadt wider.

Die SPD hat im Wahlkampf Fehler gemacht?

Das weiß ich nicht, wir werden das analysieren. Nach meiner Auffassung spielt auch der schlechte Start der Bundesregierung eine Rolle. Das hat zur Wahlverweigerung beigetragen, es ist eine Art Protestverhalten.

Der Wahlkampf blieb fast unbemerkt. Haben Sie die Stimmung in der Stadt unterschätzt?

Ich lag nach dem ersten Wahlgang mit 45,4 Prozent unter allen sieben Kandidaten klar vorn. Das hat natürlich auch zu einer euphorischen Stimmung geführt. Ich habe immer gewarnt: Es ist nicht so, dass wir den Sieg schon in der Tasche haben.

War es ein Fehler, dass Sie nicht rechtzeitig nach Potsdam umgezogen sind?

Nein. Ich denke, dass ich glaubwürdig vermitteln konnte, warum der Umzug bisher nicht möglich war. Das hat mit der Familie zu tun, auch damit, dass wir erst einen Käufer für unser Spandauer Haus finden müssen. Hektische Aktionen wären bestimmt nicht honoriert worden. Ich habe im Wahlkampf klar gesagt, dass wir nach Potsdam umziehen werden.

Warum sind Sie im Wahlkampf mit Ihrem Herausforderer so milde umgegangen?

Man soll sich nicht verbiegen. Das ist nicht mein Ziel. Ich bevorzuge einen Wahlkampf der Argumente. Dabei sind die unterschiedlichen Positionen zu Scharfenberg deutlich geworden. Ich glaube nicht, dass der Wähler eine stärkere Polarisierung honoriert.

Das Interview führten Michael Mara und Thorsten Metzner.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben