Der Tagesspiegel : „Warum hetzt man mich wie ein Tier?“ Entlassener Sextäter ist wieder in Joachimsthal

Joachimsthal - Und wieder geht alles von vorne los: Die Angst der Anwohner, die Warnungen an die Kinder, die ständigen Polizeistreifen, die Kameras. Schon bald werden wohl auch die Neonazis wieder in dem 3300-Einwohner-Städtchen auftauchen, um ihre „Solidarität“ mit den Joachimsthalern zu bekunden und „Todesstrafe für Kinderschänder“ zu fordern.

Am Freitag ist der 50-jährige K., der wegen Vergewaltigung von Frauen und sexuellem Missbrauch von Kindern insgesamt mehr als 20 Jahre im Gefängnis saß, wieder einmal nach Joachimsthal zurückgekehrt. Seine Geschichte ist bizarr: Er hatte seine Strafe abgesessen, galt aber weiter als gefährlich. Ein Antrag auf nachträgliche Sicherungsverwahrung scheiterte wegen rechtlicher Fehler – im Frühjahr 2008 war Werner K. ein freier Mann. Er zog zu seiner Schwester nach Joachimsthal, wo sich alsbald Widerstand regte. Mehrere Einwohner gründeten die Initiativgruppe „Weg mit Werner K.“ und fühlten sich bedroht, obwohl der Freigelassene Tag und Nacht von der Polizei beobachtet wurde.

Weil die Situation für ihn und seine Schwester unerträglich wurde, willigte K. ein, außerhalb Brandenburgs eine Therapie zu machen. Über den Ort wurde Stillschweigen vereinbart, doch er sickerte durch und man schickte Werner K. weg. Er ging wieder nach Joachimsthal und begann im September erneut eine Therapie in einer Einrichtung im mecklenburgischen Zahren. Doch wieder wurde bekannt, wo er sich aufhielt und wieder forderten Bürger und Politiker, dass er weggehen solle. Aber wohin nur?

Die Neonazis, die an allen Orten aufmarschierten, wo K. sich aufhielt, frohlocken auf ihren Internet-Seiten, dass sie damit „die Bevölkerung gewinnen und die BRD-Organe unter Druck setzen“ könnten. Im Justizministerium will man heute über die neue Situation beraten. Werner K. hat gestern Mittag in Joachimsthal gemeinsam mit einem Seelsorger über seine Situation geredet. Er bedauere, dass er die Therapie in Zahren beenden müsse. In seiner Stellungnahme hieß es: „Warum hetzt man mich wie ein Tier? Ich will Ruhe und Hilfe, ich bin kein Abfall.“ das/dpa

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