Der Tagesspiegel : Warum in die Ferne schweifen?: "Kopfweide" - Ein Zeitschriftenredakteur wird Reiseunternehmer

Regina Köthe

Während Berlin immer schnelllebiger wird, gibt es dennoch Menschen, die die Qualität der Langsamkeit wieder neu entdecken. Einer von ihnen ist der 48jährige Heinz-Jörg Graf. Der Übersetzer und frühere Redakteur der Kinder- und Jugendzeitschrift "Samsididam" hat sich als Reiseveranstalter selbständig gemacht. Unter dem Namen "Kopfweide - Reisen für die Sinne" bietet er seit Mai diesen Jahres Tagestouren ins Umland an. Auf die Idee kam Heinz-Jörg Graf durch Besuchen bei seinen Freunden.

Der Bäckermeister Peter Klann war nach Ringenwalde in der Uckermark gezogen und hatte dort neben der Backstube auch eine Ölmanufaktur eröffnet. Wie viele Berliner war Heinz-Jörg Graf verzaubert von der Landschaft. "Es war an diesen herrlichen Septemberabenden im letzten Jahr. Ich fühlte mich wie in der Toscana." Natürlich ist die Landschaft anders als in Italien. Vor allem faszinierten ihn die wuchtigen Kopfweiden mit ihrem bizarren Aussehen. Hier lernt er auch Michael Lugder, einen Mitarbeiter des Biosphärenreservats Schorfheide, kennen. Im gemeinsamen Gesprächen und Überlegungen zum Thema "alternativer Tourismus" entstand bei Graf langsam die Idee: "Es sollten beschauliche und anspruchsvolle Landpartien sein." Er hat sich bewusst von der Schnelligkeit und Hektik abgewendet und bietet - ähnlich wie die Vertreter des Slow Food - eher die Variante des "Slow Travel". "Die Touren sind gemächlich und genau richtig zum Entspannen und Genießen. Eine Wanderung ist vielmehr ein Spaziergang", erzählt er. Da gibt es eine Fahrt nach Templin, eine Wanderung durch den Grumsiner Forst und ein Besuch der Klöster der Uckermark. Das Besondere ist, dass vor Ort jeweils ansässige Führer die Besucher begleiten und stets auch fürs leibliche Wohl gesorgt ist. Nach einem Spaziergang gibt es ein stilvolles Picknick, auf eine Besichtigung folgt ein Abendessen im Gasthof. Zusätzlich bietet Heinz-Jörg Graf einige Fahrten zu Konzerten im Umland an, so zum Beispiel in die Kammeroper Schloß Rheinsberg. Man wundert sich, mit was für einer Ruhe er von seiner Arbeit erzählt. Schließlich ist der Tourismus nicht gerade eine entspannte Branche. Viele versuchen, mit Tagestouren und Ausflügen ins Umland ihr Geld zu verdienen. Um aus der Idee eine bodenständiges Unternehmen zu machen, beteiligte sich Heinz-Jörg Graf kurz entschlossen beim Existenzgründerwettbewerb "Start-Up".

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