Der Tagesspiegel : Was für Kurven

Ein Aggregat aus dem Audi A4 macht den Seat Ibiza FR zum stärksten Diesel-Kleinwagen

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Flachmann. Am Lenkrad fehlt’s unten – wie man das bei sportlichen Modellen so macht.

Die Seat-Leute sind stolz wie die Spanier: Als Erste im VW-Konzern dürfen sie den Zweiliter-Diesel (A4, A6, Skoda Superb, VW Passat) im Kleinwagen-Segment einsetzen. Doch um das große Aggregat in den kleinen Seat-Motorraum einzupflanzen, musste einiger Gehirnschmalz investiert werden. Trotz kleinerem Ladeluftkühler fand sich für die Batterie kein Platz mehr. Sie sitzt nun im Kofferraum, der statt 284 nun nur noch 236 Liter Volumen zu bieten hat. Das ist jedoch der einzige Nachteil des Ibiza 2.0 TDI FR.

Erster Vorteil: Es rappelt nicht mehr in der Kiste. Statt des lauten Pumpe-Düse-Diesels arbeitet nun ein kultivierteres Common-Rail-Triebwerk unter der Haube. Ohne die störenden Vibrationen der alten 130-PS-Maschine macht das neue 143-PS-Triebwerk Druck. Wird der Vierzylinder gefordert, antwortet er mit kräftigem Vortrieb und doch recht kernigem Arbeitsgeräusch. Premiere: Mit diesem Motor können im Ibiza erstmals sechs Gänge gewechselt werden. Schnell und exakt. Zweiter Vorteil: Der Zahnriemen muss erst nach 210 000 Kilometern gewechselt werden, früher waren es alle 90 000 Kilometer. Das spart viel Geld.

Zum neuen Triebwerk passt das gestraffte Fahrwerk mit härteren Federn, strafferen Dämpfern, 29 Millimeter breiterer Spur vorn und um 19 Millimeter tiefer gelegter Karosse. Die Mischung aus gesunder Härte und vorhandenem Restkomfort passt. So lassen sich auch längere Strecken ertragen. Aber das Revier des Ibiza FR sind Kurven.

Danach giert er, durcheilt sie dank präziser Lenkung zentimetergenau. Und die elektronische Differenzialsperre XDS verhindert, dass der Fronttriebler bei schneller Kurvenfahrt zu stark über die Vorderräder nach außen schiebt und beim Beschleunigen an der Lenkung zerrt. Das macht Laune, zumal die Sportsitze bei der Kurvenhatz mitspielen und der aufgepeppte Innenraum froh stimmt.

Hinten kommt weniger Freude auf: beschwerlicher Zustieg beim Dreitürer, enger Knieraum. Gut, dass der FR auch als Fünftürer lieferbar ist. Alles easy also? Na ja. Mal ehrlich: 143 stramme Diesel-PS braucht niemand wirklich in der Stadt. Und die versprochenen 4,6 Liter sind eher ein Werbegag. Denn wer sparen will, kauft sich keinen Ibiza FR, mit dem er räubern kann. Auf unserer Fahrt, weder Schneckentempo noch Tempobolzerei, zeigte der Bordcomputer realistische 5,9 Liter an. Ungewohntes an der Seat-Preisfront: Der 143-PS-Diesel ist 700 Euro billiger als der 150-PS-Benziner, der 1.4 TSI! Da weiß man, was man nimmt.

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