Was Schulen fehlt : Der Wandel beginnt im Kopf

Gute Schulen mit engagierten und optimistischen Kollegien gibt es auch in sozialen Brennpunkten. Der Dreh- und Angelpunkt beim Erfolg und Misserfolg einer Schule ist deren Führung. In Zukunft muss deshalb verhindert werden, dass verantwortungsvollen Positionen mit Leuten besetzt werden, denen ihr Beamtenstatus wichtiger als das Wohlergehen der Schüler ist.

Susanne Vieth-Entus

Schule hat begonnen! Heute morgen! Rund 300 000 Schüler zwischen sechs und 19 Jahren werden das Weckerklingeln verflucht haben, für 25 000 Erstklässler ist es erst in einer Woche so weit. Wird es ein gutes Jahr, mögen sich Schüler, Eltern und Lehrer fragen.

Das kommt darauf an, muss man antworten. Und zwar – anders als viele meinen – nicht nur auf die Anzahl der neuen Lehrer oder auf den Reformeifer des Senators. Je mehr man mit Schule zu tun hat, desto mehr verstärkt sich der Eindruck, dass alle Reformen und alle Personalberechnungen wenig ausrichten können, wenn das Selbstverständnis der Schule nicht stimmt. Wenn die Wut über das Versagen „der Verwaltung“ oder „der Gesellschaft“ größer ist als die Bereitschaft, das Gelingen des Schulalltags selbst in die Hand zu nehmen.

Anders gesagt: Wer wissen will, was das Schuljahr bringt, sollte sich erst mal in der eigenen Schule umsehen.

Wer heute glaubt, das schmutzige Treppenhäuser und resignierte Lehrer zwangsläufige Folge eines kaputtgesparten Bildungswesens sind, muss erklären, warum es noch immer Schulen gibt, die von innen leuchten. Schulen, in denen es so sauber ist, dass man vom Fußboden essen kann, Schulen mit engagierten und optimistischen Kollegien. Schulen, in die man seine Kinder schicken möchte. Diese Schulen gibt es überall, in Kreuzberg, Zehlendorf, in Marzahn, in Köpenick. Auch in sozialen Brennpunkten.

Aber woran liegt das? Eine der möglichen Antworten haben die Schulinspektionen gegeben. Sie zeigten, dass der Dreh- und Angelpunkt beim Erfolg oder Misserfolg einer Schule nun mal deren Führung ist. Anders gesagt: Ein guter Schulleiter kann Berge versetzen.

Bildungssenator Jürgen Zöllner weiß das. Als die teilweise verheerenden Ergebnisse der Schulinspektionen bekannt wurden, hat er deshalb ein Qualifizierungskonzept für Direktoren angekündigt. Da man schlechte Leiter aufgrund des Beamtenrechts nicht los wird, bleibt nichts anderes übrig, als aus dem vorhandenen Personal das Beste zu machen, mag Zöllner gedacht haben. Diese Schadensbegrenzung darf nicht alles sein. In Zukunft muss verhindert werden, dass die Falschen überhaupt auf jene verantwortungsvollen Posten kommen, auf denen sie vielleicht 20 oder 30 Jahre zum Ballast der eigenen Schule werden.

Die Politik hat deshalb versucht, die Besetzung von Schulleiterposten zeitlich zu begrenzen. Vor Gericht scheiterte sie, weil das Beamtenrecht einer derartigen Befristung entgegensteht. Daraus folgt: Wer tatsächlich will, dass Schulen in Zukunft nicht mehr hilflos einem miserablen Leiter ausgeliefert sind, muss den Abschied vom Beamtenstatus in den Schulen durchziehen, muss gute Leute mit guten Gehältern locken. Dann kann er auch damit leben, dass jene, denen der Beamtenstatus über alles geht, in andere Bundesländer abwandern.

Wenn stattdessen Berlins SPD-Chef Michael Müller neuerdings mit einer Rückkehr Berlins zur Verbeamtung liebäugelt, muss er sich fragen lassen, ob er die Konsequenzen für die Schulen bedacht hat. Für Schulen, die ihre schlechten Schulleiter nicht loswerden. Für Lehrer, die trotz Überdrusses und Burnout aus ihrem Beruf nicht mehr rauskommen, weil sie sich damit auch von ihrem Beamtenstatus und damit von ihrer Pension verabschieden müssten. Der Bildungssenator sollte seinen Parteifreund Müller auf diese Zusammenhänge hinweisen, bevor das Gespenst der Lehrerverbeamtung in Berlin wieder umgeht.

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