Wasser & Sport : Fast wie am Meer

Rund um Waren liegt die Region für Menschen, die es sportlich mögen: Surfen, Stand-up-Paddling und Wasserski. Die Großseen Müritz und Plauer See bieten sich für »Action« einfach an.

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Warmes Licht an einem diesigen Tag an der Müritz.
Warmes Licht an einem diesigen Tag an der Müritz.Foto: Daniela Martens

Keine Welle kräuselt die spiegelglatte Wasseroberfläche. Monika Strauß steht unter hohen Kiefern und blickt über die Müritz, den größten See Deutschlands, der vollständig innerhalb der Landesgrenzen liegt. »Manchmal ist so viel Wind, dass wir unsere Segelkurse absagen müssen«, versichert die 57-Jährige mit dem auberginefarbenen Kurzhaarschnitt. Das kann ich mir an diesem sonnigen, leicht diesigen Tag, an dem man kaum das Ufer auf der anderen Seite ausmachen kann, kaum vorstellen. Es ist ein perfekter Tag fürs Stand-up-Paddeling. Oder auch »SUP«, wie Monika Strauß es meistens nennt. Sie spricht es »Ssapp« aus. Es ist eine einfache Sportart: Man steht auf einem großen Surfbrett und paddelt. »Das ist so ein geniales Therapeutikum«, sagt sie. Und erzählt, wie ein Bekannter dadurch nach einem Bandscheibenvorfall wieder gesund geworden ist. Im vorigen Jahr hat sie Stand-up-Paddeling zum ersten Mal auch als Rückenschule angeboten. Yoga auf dem Brett bietet sie ebenfalls an.
Monika Strauß betreibt die Surf- und Segelschule »Surfmühle« auf einem Campingplatz am Ostufer der Müritz. Als sie zum ersten Mal – als Urlauberin – an die Müritz kam, war an Im-Stehen-Paddeln noch längst nicht zu denken. Anfang der Achtziger war das. Eine Freundin hatte zu ihr gesagt: »Monika, fahr doch mal nach Boek, da kann man so gut surfen.« Zu jener Zeit hatte sie gerade angefangen, in Leipzig Sport zu studieren – und auf dem Müggelsee zu surfen. »Damals gab es das noch nicht so mit den Neoprenanzügen. Ich bin in Badeanzug, Ölzeug und Gummistiefeln gesurft. Als ich nach Boek kam, war ich so fasziniert von diesem Flachwassergebiet. Hier am Ostufer hat man 400 Meter Stehbereich. Meist ist auflandiger Wind und es gibt oft gute Wellen, aber auch Glattwasser trotz Wind, das ist gut für Surfanfänger und Surfer, die richtig schnell fahren wollen.«

Wenn die ehemalige Berlinerin von ihrer Wahlheimat spricht, ist sie nicht zu bremsen. Seit 25 Jahren betreibt sie die Surf- und Segelschule. Seit 1992 wohnt sie in Rechlin, dem nächsten größeren Ort. Im Sommer übernachtet Strauß meist nicht in Rechlin, sondern auf dem Campingplatz Boeker Mühle. »Hier ist es viel schöner. Ich liebe es, morgens gleich im See zu baden, und die Sonnenuntergänge sind genial. Hier ist es auch meist fünf Grad wärmer als an der Ostsee – sowohl das Wasser als auch die Luft. Im vergangenen Sommer war das Wasser in Ufernähe wohlige 24 Grad warm.«
Ich war zwar schon oft surfen, aber noch nie stand-up-paddeln. Und es kostet mich an diesem kühlen Tag einige Überwindung. Im Neopren und mit Schwimmweste stehe ich kurz darauf im knietiefen Wasser. Dass ich hineinfallen würde, wenn ich mich an die Anweisungen halte, sei
unwahrscheinlich, hatte mir Monika Strauß versichert. Also hieve ich mich auf das Brett. Erst mal im Knien versuchen, lautet der erste Ratschlag. Nach einer Weile funktioniert es ganz gut. Also versuche ich aufzustehen. Erst einen Fuß nach vorne, dann hoch. Es klappt, ich stehe. Ganz schön wackelig, aber längst nicht so wackelig wie befürchtet. Es ist wirklich ganz einfach. Ich paddle in Richtung Schilfgürtel und halte schon bald nach Fischen Ausschau. Man könne riesige Exemplare vom Brett aus sehen, hatte Monika Strauß angekündigt. Doch gerade hat sich die Sonne ein wenig verzogen und ich kann kaum unter die Wasseroberfläche sehen. Nach einiger Zeit komme ich wieder ans Ufer, gebe zufrieden mein Brett ab und mache mich auf nach Waren.
»Dort gibt es im Tortenhus die besten Torten weit und breit«, hatte Monika Strauß gesagt. In der Saison kann man den Dampfer oder den Bus nehmen, aber mit dem Fahrrad ist es ein besonders schöner Weg, denn es geht durch den Nationalpark.
Ein paar Mal in die Pedale getreten und schon ist man im Dörfchen Boek. Anders als der Ferienort Boeker Mühle, der hauptsächlich aus zwei Campingplätzen, einigen Hotels und Ferienhaussiedlungen besteht, ist Boek ein Ort mit Geschichte. Es gibt ein altes Gutshaus, in dem heute ein Zinnfiguren-Museum untergebracht ist. Von dort aus starten Kutschtouren in den Nationalpark und in den Wildpark Boek.
Vom Boeker Dorfplatz aus geht es geradewegs auf den Wald zu, vorbei an einem weiteren Campingplatz mit Surfschule, hier ist das einzige Kitesurf-Revier der Müritz. Dann fährt man lange schnurgeradeaus durch eine Sumpflandschaft. Bachstelzen wippen über den Weg. Die kleineren Seen, die östlich von der Müritz im Sumpfland liegen, kann man von hohen Aussichtstürmen aus erspähen, die direkt über dem Weg aufragen. Wer nicht anhält, fährt unten durch den Turm durch. Aber ein Zwischenstopp lohnt sich. Nach mehreren Kilometern windet sich der Weg bergauf in einen Kiefernwald – bis man im Örtchen Fedorow ankommt: eine kleine Feldsteinkirche aus dem Mittelalter auf einer Blumenwiese, ein Gutshaus und drum herum hübsche Einfamilienhäuser. »Fedorow ist ein Dorf, in dem sich noch alle kennen und unterhalten«, sagt Berta Kujus, die hier von Mai bis November den Lebensmittelladen betreibt. »Hier wohnen viele junge Familien mit Kindern. Nach der Wende sind sie alle weggezogen – jetzt kommen sie wieder«, erzählt Kujus. »Es gibt hier für einen so kleinen Ort ziemlich viel Gastronomie und alle wollen von den Touristen leben.« Auch vor ihrem Laden, den sie seit 26 Jahren betreibt, stehen Tische und Bänke. Es gibt Bleche mit selbst gebackenem Kuchen, den ich mir aber verkneife, weil ich ja ins Tortenhus in Waren will. Auch Wanderer kommen hier vorbei, vor allem zur Zeit der Kranichführungen im Nationalpark im Herbst.

Kurz vor Waren ist die Straße noch immer so ruhig, dass ein Reh friedlich am Feldrand frisst. Erst wenn man im Zentrum des trubeligen Kurorts ankommt, bemerkt man, wie leise und beschaulich es seit Boek eigentlich gewesen ist. In der Altstadt von Waren ist fast in jedem Haus entlang der Gassen ein Café, Restaurant, Geschäft oder eine Pension. Am Hafen ist immer einiges los: Hier liegen private Yachten und die Dampfer der Blau-Weissen Flotte.
Im Untergeschoss des Müritzeums gleich am Hafen bekomme ich doch noch riesige Fische zu sehen, wenn auch nicht in freier Wildbahn: Störe und Karpfen schwimmen in Außenaquarien, in die man aber von drinnen hineinsieht – wie durch Fenster zum kleinen Herrensee, der direkt neben dem Haus liegt. Ein Elektrozaun schützt die Fische vor den hungrigen, hier wild lebenden Fischottern.
Vom Müritzeum aus ist es nicht weit bis zum Tortenhus am Alten Markt, das Monika Strauß empfohlen hat. Das Café ist nach Angaben eines Feinschmeckermagazins eines der besten Deutschlands. Die Auswahl fällt nicht leicht. Es wird schließlich ein Erdbeer-Schmand-Torten-Stück, das zur Hälfte aus einem saftigen Schokoladenkuchen besteht. Mit gut gefülltem Magen kann man sich eigentlich nur noch in einem der gemütlichen roten Sessel des Cafés zusammenrollen und ein Schläfchen machen. Oder es sich auf einem der Dampfer bequem machen und die Müritz Richtung Süden fahren.

Der Text stammt aus dem Magazin "Tagesspiegel - Mecklenburgische Seenplatte". Für 6,50 Euro im Tagesspiegel-Shop oder am Kiosk.

Weitere Themen der Ausgabe: Auf einen Blick. Leute, Landschaften und die wichtigsten Fakten zur Mecklenburgischen Seenplatte; Schweizerisch. 125 Gipfelmeter reichen für den Titel "Schweiz"; Die Besten Schlösser und Burgen des Nordens; Mit dem Rad. Sechs Radtouren durch die Region; Im Land der großen Seen. Paddling, Radfahren, Kuchenessen - Ein perfekter Tag an der Müritz; Action! Wasserski und Paragliding auf den Großseen; Plötze, Barsch und Ukelei. Mit den Kindern zum Angeln; Malchow. Wo eine Brücke Dreh- und Angelpunkt ist; Nationalpark. Die Buchenwälder bei Serrahn sind Teil des Unexco-Weltnaturerbes; Die Besten Touren mit dem Hausboot auf den Großseen; Mit dem Kanu ins Kino. Auf dem Kultur- und Naturtrip an den Mecklenburgischen Kleinseen; Pilze sammeln deluxe. Ein Experte hilft finden und ein Sternekoch macht daraus leckeres Essen. Die Besten Campingplätze, die man auch mit dem Kanu erreicht. Essen & Trinken. Die Top Ten der Mecklenburgischen Seenplatte; Freizeit & Kultur. Ausflugsziele und Termine 2016; Übernachten. Unsere Empfehlungen für eine gute Unterkunft

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