Wassermühle : Klapperndes Denkmal

Kai Rogozinski brachte in der Uckermark eine Wassermühle aus dem 16. Jahrhundert wieder in Gang.

Claus-Dieter Steyer

Gollmitz - Nach wenigen Handgriffen sitzt die weiße Mütze perfekt. „Hauptsache, der Bommel hängt an der richtigen Stelle“, sagt Kai Rogozinski und fasst dabei kurz den roten Wollknäuel. „Denn der erfüllt einen guten Zweck.“ Er schnappt sich einen prallen Sack und wirft ihn mit Schwung auf den Rücken. Nach einer schnellen Kopfbewegung hängt der Bommel genau vor dem linken Ohr. „Da muss er hin, damit kein Mehl in den Gehörgang rieselt.“ Die zur Führung durch die Wassermühle Gollmitz bei Prenzlau versammelten Gäste blicken sich fragend an. „War das jetzt ein Stück Müllerlatein?“ fragt ein Mann skeptisch. Doch der 46-jährige Mühlenchef lässt sich nicht beirren. „In meiner Mühle ist alles echt, auch der Müller mit seiner Mütze.“

Dann schreitet er zur Tat, drückt einige Knöpfe und schüttet Korn ins Mahlwerk. Große Schwungräder drehen sich. Überall rattert und dröhnt es. Der Lärm erstickt jedes Gespräch. Der Hausherr ruft „Vorsicht“ und warnt vor Stolperstellen und Öffnungen im Boden, durch die Korn und Mehl lose oder in Säcken transportiert werden. Doch das ficht die Besucher nicht an. Der Ausflug zu diesem wie vor 100 Jahren funktionierenden Wunderwerk der Technik fasziniert sie.

„Das Beste kommt noch“, steigert der Mühlenchef und gelernte Heizungsmonteur die Neugierde. „Im Erdgeschoss kann jeder das größte Wasserrad der Uckermark, vielleicht sogar Brandenburgs erleben.“ Die Gäste drängeln sich durch einen schmalen Gang, um dann eine Menge von Armaturen, Hebeln und sich drehenden Stahlohren zu sehen. Erst der Blick vom Garten aus lässt die Dimensionen des stählernen Monstrums erahnen. Sechs Meter beträgt der Durchmesser des ein Meter breiten Wasserrades aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Es dreht sich in Gollmitz keineswegs nur als schmückendes Beiwerk. Die angeschlossene Turbine produziert hier Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. 60 000 Kilowattstunden bringen eine jährliche Vergütung von 60 000 Euro, die dem Erhalt der Mühle dienen.

Mit diesem Geld und kleineren Zuwendungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie aus EU-Töpfen hat Kai Rogozinski im nordöstlichen Brandenburg ein technisches Denkmal aufgebaut, das weit und breit seinesgleichen sucht. Wer sich als größere Familie oder Gruppe anmeldet, kann in der Mühle nicht nur Korn zu Mehl mahlen, sondern daraus im Ofen im Garten auch Brot backen.

Dann erzählt Rogozinski über die fast 300-jährige Geschichte seiner Wassermühle. „Ich habe von der TU Berlin die Holzbalken bestimmen lassen – die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Bäume dafür im Jahre 1722 gefällt worden waren.“ Zwei Jahre später war der Bau fertig, wie auch die Dorfchronik belegt. Der Mühlenbetrieb lief bis 1990, zu DDR-Zeiten unter der Regie der örtlichen LPG „Hammer und Sichel“. Danach setzte der Verfall ein, so dass die Treuhand dringend nach einem Käufer suchte. Der Gollmitzer Handwerker griff zu und begann mit der Restaurierung. Dabei entstanden im alten Mühlengebäude auch fünf Ferienwohnungen.

Besichtigungen der Wassermühle Gollmitz sind nach Anmeldung unter Telefon: 03 98 52 / 491 41 möglich. Infos unter www.wasermuehle-gollmitz.de

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