Der Tagesspiegel : Weichenstellung für Schönefeld

Flughafen hält Airport-Express im 20-Minuten-Abstand für möglich – und setzt jetzt auf Bahnchef Grube

Klaus Kurpjuweit
303166_3_xio-fcmsimage-20091003172922-006002-4ac76dd26ae4a.heprodimagesfotos83120091004dc-15530.jpg
Im Rohbau fertig. Im Flughafenbahnhof gibt es künftig sechs Gleise. Foto: Thilo Rückeis

Schönefeld - Jetzt setzt der Flughafen auf Bahnchef Rüdiger Grube. Mit seiner Hilfe soll es möglich werden, dass zur geplanten Eröffnung des ausgebauten Flughafens in Schönefeld mit seinem teuren Bahnhofsneubau Ende Oktober 2011 dort auch alle 20 Minuten der Airport-Express aus der Innenstadt halten kann. Bisher wollen die Bahnplaner die Züge vorläufig nur halbstündlich fahren lassen. Mehr Verkehr lasse die vorhandene Infrastruktur nicht zu.

Weil die direkte Verbindung über die Dresdner Bahn durch Lichtenrade frühestens 2016 vorhanden sein wird, müssen die Züge zum Flughafen vorläufig über die Anhalter Bahn durch Lichterfelde fahren. Da deren Verbindung zum Außenring südlich von Berlin nur eingleisig ist, können nach Angaben der Bahn in beiden Richtungen nicht mehr als acht Züge stündlich untergebracht werden. Hier fahren auch Fern- und Regionalzüge, die über die Dresdner Bahn verkehren sollen.

Bereits im Sommer hat die Flughafengesellschaft auf eigene Kappe untersuchen lassen, ob über die Anhalter Bahn doch mehr Züge fahren könnten. Das Gutachten der Beraterfirma ETC und der TU Dresden hat demnach ergeben, dass der Airport-Express, wie vom Flughafen gewünscht, alle 20 Minuten den Hauptbahnhof mit dem Flughafen verbinden könnte – falls eine zusätzliche Weiche auf dem Außenring eingebaut wird. Der Haken: Der Weicheneinbau würde rund 1,4 Millionen Euro kosten.

Zudem würde der regelmäßig fahrende Airport-Express mit dem Fahrplan des Fernverkehrs nach Dresden/Prag kollidieren, argumentiert die Bahn. Hier gebe es langfristige Verträge. Die Gutachter verweisen jedoch darauf, dass der Fahrplan des Fernverkehr ohnehin mehrfach geändert werden müsse, weil die Bahnstrecke Richtung Dresden ausgebaut werden soll. Soll es Platz auf den Gleisen für den Airport-Express geben, darf außerdem der Güterverkehr auf dem Außenring nicht drastisch steigen.

Prinzipiell sei es aber möglich, den 20-Minuten-Verkehr für den Airport-Express anzubieten, ist man bei der Flughafengesellschaft nach dem Gutachten überzeugt. Und anders als sein Vorgänger Hartmut Mehdorn sei Bahnchef Rüdiger Grube sehr an der Schienenanbindung des Flughafens interessiert. Mehdorn dagegen, der immer versprochen hatte, sobald der Flughafen fertig sei, würden auch Züge über die Dresdner Bahn fahren können, soll hier erheblich gebremst haben.

Grube hatte im „Gipfeltreffen“ mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) Mitte Juli zugesichert, zwei Arbeitsgruppen zu bilden. Sie sollen sich um den 20-Minuten-Verkehr beim Airport-Express und um den künftigen Anschluss des Flughafens an den Fernverkehr kümmern. In Schönefeld entsteht zwar für mindestens 636 Millionen Euro ein sechsgleisiger Bahnhof unter dem Terminal mit Anschlüssen im Fern- und Regionalverkehr nach Westen zur Dresdner Bahn und im Osten zur Görlitzer Bahn sowie mit einer S-Bahn-Verbindung über den Bahnhof Schönefeld zum Flughafen, doch welche Züge dort außer der S-Bahn und dem Airport-Express halten werden, steht immer noch nicht fest.

Ob die Ost-Verbindung zur Görlitzer Bahn rechtzeitig fertig wird, ist aber ungewiss. Noch gibt es keine Baugenehmigung; das Verfahren läuft noch. Bei der Bahn gibt man sich aber optimistisch – wie einst Mehdorn. Würde die Verbindung nämlich doch zur Eröffnung des Flughafens fertig, könnten schnelle Züge halbstündlich aus Osten und Westen zum Flughafen fahren. Ansonsten müsste doch eine Lösung für die Anhalter Bahn gefunden werden – oder der superteure Bahnhof am Flughafen würde fast zu einer Geisterstation.

0 Kommentare

Neuester Kommentar