Der Tagesspiegel : Weiter Kinderlachen am See

DIRK KLAUKE

Große Jugenderholungsstätte am Werbellinsee wird von neuer Gesellschaft übernommen VON DIRK KLAUKE

Altenhof.Die riesige Europäische Jugenderholungs- und Begegnungsstätte (EJB) Werbellinsee nördlich Berlins ist gerettet.Zunächst für zwei Jahre übernimmt die Grundstücks- und Entwicklungsgesellschaft MBH Joachimsthal (GEG) die ehemalige Zentrale Pionierrepublik "Wilhelm Pieck" ab Januar vom Land.Der Internationale Bund für Sozialarbeit (IB), der 1991 vom Land als Betreiber eingesetzt worden war, hatte seinen bisherigen Vertrag zum Jahresende gekündigt. Wirtschaftliche Gründe ließen ein weiteres Engagement am Werbellinsee nicht zu, sagte IB-Finanzreferent Hans-Dieter Thimjahn am Montag vor der Presse.Während von 1991 bis 1995 im wesentlichen ein ausgeglichenes Betriebsergebnis erzielt worden sei, so Thimjahn, rechne er in diesem Jahr mit knapp einer Million Mark Verlust.Daran seien neben "Management-Fehlern" vor allem fehlende Landesmittel schuld."Wir haben von der Substanz gelebt", berichtete der IB-Vertreter.Gebäude konnten kaum saniert werden, was aber dringend nötig sei.Außerdem hätte das Land Sachsen Erholungsmittel für Kinder aus Kohle- und Chemieregionen wie Bitterfeld und Leipzig gekürzt, 50.000 Übernachtungen seien deshalb nicht gebucht worden.250.000 Kinder und Jugendliche erholten sich seit 1991 am Werbellinsee.Zu DDR-Zeiten betreuten 400 Mitarbeiter jährlich hunderttausende Besucher im Pionier-Vorzeigeobjekt. Bildungsministerin Angelika Peter zeigte sich erleichtert, daß "die Gefahr für eine der größten Kinder- und Jugendfreizeitstätten im Land" gebannt sei.Zumindest zwei Jahre lang werde sie nahezu komplett für die Jüngsten erhalten.Gleichzeitig strebt das Finanzministerium laut Angelika Peter eine "gewinnbringende Verwertung" an.Es habe signalisiert, daß die 120 Hektar große Begegnungsstätte nur teilweise weiter für Jugenderholung genutzt werden soll. Bisher wisse noch niemand, kritisierte ein Vertreter der 75 Beschäftigten am Werbellinsee, wie es weitergehen soll.Allen Mitarbeitern wurde zum Jahresende gekündigt.Die Joachimsthaler Grundstücksentwicklungsgesellschaft als neuer Betreiber werde nur noch 50 Prozent der bisherigen Personalkosten in Höhe von jährlich 4,3 Millionen Mark ausgeben, sagte GEG-Chef Fritz Bennewitz.In der Sommersaison sollen bis zu 45 feste Mitarbeiter beschäftigt, ansonsten viele Pauschalkräfte eingesetzt werden. Joachimsthals Amtsdirektor Dieter Ehm sprach sich für eine "volle Öffnung der Jugend-Erholungsstätte" auch für Senioren oder Kurgäste aus.Möglicherweise werde auch die Leitung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin aus dem einstigen Honecker-Jagdhaus "Wildfang" in die ehemalige Pionierrepublik umziehen.Zumindest noch zwei Jahre bleiben aber die Mehrzahl der Häuser laut GEG-Chef Bennewitz für Kinder und Jugendarbeit geöffnet.Der noch vom IB eingesetzte Geschäftsführer Tomas Schramm blieb skeptisch: "Die Gesellschaft hat noch kein Konzept mit einem richtigen Knüller, der mehr Gäste als bisher in die Einrichtung locken wird."

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