Der Tagesspiegel : Weiter Wachsen

Bernau wird seit der Wende kontinuierlich größer Jetzt müssen neue Schulen und Kitas gebaut werden

Matthias Matern

Bernau - Gerade mal etwas mehr als eine halbe Stunde dauert die Fahrt mit der S-Bahn vom Bahnhof Friedrichstraße nach Bernau. Wochentags alle 20 Minuten verbindet die Linie S 2 das Zentrum direkt mit der Stadt nordöstlich von Berlin. Für die rund 25 Kilometer würde er mit dem Auto bestimmt zwischen 40 und 50 Minuten brauchen, schätzt Bernaus Bürgermeister Hubert Handke (CDU), „je nach Tageszeit“. Die Bahnverbindung sei unschlagbar schnell. „Außerdem spart man sich die Parkplatzsuche in Berlin.“

Wie für die meisten Städte und Gemeinden im Berliner Umland ist auch für Bernau die gute Anbindung an die Metropole der Garant für weiteres Wachstum. Während die Bevölkerung von vergleichbaren Orten im entfernteren ländlichen Raum Brandenburgs seit Jahren schrumpft, hat sich die Einwohnerzahl von Bernau seit der Wende fast verdoppelt: Von weniger als 20 000 Einwohnern um 1990 auf aktuell rund 36 500. Und die Stadt wächst weiter. „Jährlich kommen zwischen 500 und 700 Neubürger dazu“, schätzt der Bürgermeister.

Insgesamt knapp 100 Hektar Fläche für neue Ein- und Mehrfamilienhäuser hat die Stadt bereits vorsorglich ausgewiesen. Seit 1993 ist Handke Chef der Stadtverwaltung. Das Potenzial seiner Stadt hat er schon frühzeitig erkannt und mit der Nähe zu Berlin geworben. „Wir haben auch versucht, Bundesbeamte und Politiker aus Bonn für unsere Stadt zu gewinnen“, sagt Handke. Lange Zeit hat er zweimal im Jahr Neuankömmlinge mit einem eigenen Empfang im Rathaus begrüßt. Das würde er heute nicht mehr schaffen. Zumindest bekommt jeder Zugezogene noch ein Begrüßungspaket samt befristeten Benutzerausweis für die städtische Bibliothek. „Wir freuen uns, wenn Menschen zu uns kommen“, versichert der Bürgermeister.

Bernau sei lebenswert – nicht nur aufgrund der Nähe zu Berlin, auch wegen der überschaubaren Größe, des vielen Grüns im Umland, der guten Einkaufsmöglichkeiten im Zentrum und des erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerns, glaubt Handke. „Außerdem bietet Bernau ein umfangreiches Bildungsangebot.“ Allein zwölf Kindertagesstätten, mehrere Horte und andere Betreuungsangebote kann die Stadt vorweisen. Dazu kommen vier Grundschulen, zwei Gymnasien, zwei Förderschulen und eine Montessori-Schule. Demnächst, so hofft Handke, folge noch eine evangelische Grundschule. „Die Entscheidung liegt beim Ministerium.“ Vielfalt im Bildungsangebot, auch bei der pädagogischen Ausrichtung, sei für die Wohnortwahl entscheidend, weiß der Bürgermeister aus Erfahrung.

Mittlerweile aber ist Bernau an seine Grenzen gestoßen, die Kapazitäten bei den Kita-Plätzen etwa sind ausgeschöpft. Bislang habe die Stadt die Nachfrage im Wesentlichen durch bestehende Einrichtgungen befriedigen können, sagt Handke. Jetzt müsse neu gebaut werden. Einiges sei schon passiert, im Ortsteil Ladeburg zum Beispiel wurde die Kapazität der Kita gerade erst verdoppelt. „Im Ortsteil Schönow wird komplett neu gebaut. Die Planungen sind abgeschlossen. Im kommenden Jahr geht es los.“ Rund ein Drittel mehr Platz als der Vorgängerbau werde die neue Einrichtung haben. Im Stadtteil Blumenhag entstehe zudem für rund sieben Millionen Euro ein Ergänzungsbau, der sowohl von der dortigen Grundschule als auch von der ansässigen Oberschule genutzt werden soll.

Insgesamt hat die Stadt in diesem Jahr 20 Millionen Euro für Investitionen eingeplant. Zahlreiche kleinere Straßen müssten noch befestigt, einige Kitas und Grundschulen noch modernisiert werden. Erweitert werden müsse außerdem das Park & Ride-Angebot. „Die Stellplätze für Autos und Räder werden so gut nachgefragt, dass wir unbedingt neue schaffen müssen“, sagt der Bürgermeister.

Einiges auf der Bernauer Wunschliste jedoch liegt außerhalb von Handkes Einfluss. „Gemeinsam mit der Gemeinde Panketal bemühen wir uns seit längerem darum, dass das zweite Gleis der S-Bahn-Linie nach Berlin wieder befahren wird.“ Dann könnten die Züge häufiger fahren. Die S-Bahn lehne dies aber mit Verweis auf zu wenige Fahrgäste bislang ab.

Ein anderes Ärgernis sei der Zustand der Bundesstraßen nach Berlin. Dort mangele es unter anderem an guten Radwegen, „zum Beispiel an der B 109 und der B 2“. Gerade an der Grenze zwischen Stadt und Umland zeige sich oft noch die mangelhafte Kooperation zwischen Berlin und Brandenburg – etwa wenn auf einer Seite die Straße gut ausgebaut ist, auf der anderen aber sich Schlagloch an Schlagloch reiht. Matthias Matern

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