Der Tagesspiegel : Welcome back, Lenin?

Potsdam streitet um die Rückkehr einer Statue Jetzt soll der oberste Denkmalpfleger entscheiden

Claus-Dieter Steyer

Potsdam - Sie liegt wohlbehütet im fernen Oldenburg und würde dort wahrscheinlich auch die nächsten Jahrzehnte unbemerkt in einer Kiste bleiben können. Aber so leicht lässt sich eine offenbar große Zahl von Potsdamern die Erinnerung an sie nicht nehmen: Sie verlangen eine Rückkehr der vor fast zwei Jahren abgebauten Statue von Wladimir Iljitsch Lenin. Diese schmückte drei Jahrzehnte lang den Eingang zum Haus der Offiziere der Sowjetarmee in der Hegelallee, nur einen Steinwurf vom Park Sanssouci entfernt. Im Zuge des Umbaus zu einem Wohnhaus und eines Therapiezentrums musste die Bronzestatue ihren Platz räumen. Da der Projektentwickler für das einstige Armeeklubhaus aus dem holsteinischen Oldenburg stammte, hieß es bei den Traditionalisten bald: „Der Wessi raubt den Lenin!“ Und die Diskussion für und wider das Denkmal dauert bis heute an.

Bald aber wird es eine Entscheidung geben, ob der russische Revolutionsführer wieder aufgestellt wird: Am 20. August kehrt Detlef Karg, der oberste Denkmalpfleger des Landes Brandenburg, aus dem Urlaub zurück. Dann muss er über den „kulturhistorischen Wert“ der Statue entscheiden. Sowohl Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der nach eigenen Worten „auch ohne den Lenin leben kann“, als auch der Oldenburger Investor Dirk Onnen wollen sich an das Wort des Landeskonservators halten.

Nur der CDU-Kreischef und Landtagsabgeordnete Wieland Niekisch findet jede Diskussion inakzeptabel. Lenin sei einer der größten Gewaltverbrecher des 20. Jahrhunderts gewesen, unter dessen Verantwortung seien bis 1924 etwa 280 000 Menschen umgebracht worden, erklärte Niekisch. „Die Statue gehört nicht an einen öffentlichen Platz, sondern allenfalls ins Museum“, verlangt er.

Erwartungsgemäß ganz anders argumentiert die Fraktion der Linkspartei/PDS im Stadtparlament: Eine Rückkehr Lenins ins Potsdamer Stadtbild sei ein Ausdruck von Souveränität. Schließlich sei die Stationierung von sowjetischen Soldaten zwischen 1945 und 1994 auch ein Teil der Geschichte gewesen.

In Brandenburg stehen derzeit noch zwei Lenindenkmäler: ein Gedenkstein in Marzahna bei Treuenbrietzen im Kreis Potsdam-Mittelmark und eine Statue vor dem Haus der Offiziere im ehemaligen russischen Hauptquartier Wünsdorf. An beiden Orten gibt es keine Bautätigkeit, weshalb Lenin hier noch lange unbehelligt stehen kann.

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