Der Tagesspiegel : Wellness in Brandenburg

SPD-Chef Kurt Beck tourte durch Teltow, Angermünde, Oranienburg und fühlte sich in Begleitung von Ministerpräsident Platzeck sichtlich wohl

Thorsten Metzner

Teltow/Angermünde - Man kann wirklich nicht behaupten, dass Kurt Beck einen Menschenauflauf auslösen würde. Einsam und verlassen liegt der Marktplatz von Angermünde in der Mittagshitze, als der SPD-Bundesvorsitzende begleitet von Ministerpräsident Matthias Platzeck seinen Rundgang durch das Ackerbürgerstädtchen im hohen Norden Brandenburgs beginnt. Nur in einem Straßencafé gegenüber dem Rathauses sitzen ein paar Damen beim Kaffeekränzchen, augenscheinlich ganz froh, dass endlich mal was los ist. „Hier ist wohl die städtische Jugend versammelt?“, begrüßt Beck die Dameriege launig, was ganz gut ankommt. „Einen schönen Tag noch!“ wünscht der Besucher dann. Und schon geht’s weiter.

So sieht es also aus, wenn der SPD-Parteivorsitzende seine Pfälzer Heimat verlässt und durch Deutschland tourt, um „nahe bei den Menschen“ zu sein, wie es in den Ankündigungen des Willy-Brandt- Hauses heißt. Aber in der dünnbesiedelten Uckermark, wo er an diesem Tag auf Empfehlung Platzecks unterwegs ist, ist die Nähe zum Menschen gar nicht so leicht. Die Quote sieht dann in etwa so aus: Kurt Beck begrüßt in Angermünde, 15 000 Einwohner, aber flächenmäßig die zehntgrößte Stadt der Bundesrepublik, aufgeräumt einen Bäckermeister durchs Fenster, sagt einer Fahrrad- und einer Blumenhändlerin sowie einer Familie mit zwei Kindern, die sich gerade Eis schmecken lassen, „Guten Tag“. Und dann ist da noch ein Berliner Freizeitradler, der aus Zehlendorf in die Uckermark geradelt ist. „Ich mache zwei, drei Wochen Urlaub und fahre keinen Tag unter 50 Kilometer Rad“, erklärt ihm Beck. Die Antwort des Berliners: „Da habe ich Sie aber noch nie gesehen.“

Große Politik? Spielt bei den Menschen keine Rolle. Die Krise der SPD, der Dauerärger in den eigenen Reihen, ob um Wolfgang Clement oder um Andrea Ypsilanti in Hessen? Interessiert hier nicht. Nur die Journalisten und Fernsehteams, die Kurt Beck am Morgen beim Auftakt seiner Tagesreise im Technologiezentrum Teltow treffen, bombardieren ihn mit Fragen danach. Ansonsten beschert Brandenburg dem SPD-Chef einen Wohlfühltag. Zwar hatte es vor der Sommerpause auch aus der Brandenburger SPD Störfeuer gegen ihn gegeben – wie den bösen Spruch des Finanzministers Reiner Speer, der ihm „Aussetzer“ bescheinigte, wie ein Artikel in einer SPD-Zeitung, in der er als „Geisterfahrer“ tituliert wurde. Aber das ist für Kurt Beck längst erledigt. „Ach“, sagt er in stoischer Ruhe nur, als er darauf angesprochen wird, „kein Thema“.

Platzeck, der gerade in Ungarn, Italien und Becks Heimat Rheinland-Pfalz Urlaub gemacht hat, sekundiert: „Das spielt keine Geige. Wir verstehen uns gut. Das weiß doch jeder.“ Und so sieht das auch aus, als Platzeck seinen Nachfolger an der Spitze der Bundespartei zu Hightech-Firmen in Teltow, durch die sanierte Altstadt von Angermünde und später nach Oranienburg führt. Man scherzt, man erzählt sich Witze. Beck fühlt sich wohl, muss nicht Parteichef, darf Ministerpräsident zu Gast sein. In der Turnhalle von Angermünde, die dem hiesigen Volleyballverein gehört, lässt er sich gleich zwei Mal den Kartoffelschnaps, serviert in einer aufgeschnittenen Kartoffel, einschenken, der unerklärlicherweise „Nudelbecher“ heißt. Schmecke „prima“, verkündet er. Als er sich verabschiedet hat, gibt er seinen Leuten einen Auftrag: Man möge dem Verein eine Kiste Pfälzer Wein schicken.

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