Weltbank : Zoellick glaubt an "Doha-Runde"

Der designierte Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, sieht gute Chancen für einen Erfolg bei den festgefahrenen Welthandelsgesprächen.

Berlin Robert Zoellick sei zuversichtlich, auch wenn es enorm schwierig werde, 150 Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation (WTO) in der laufenden "Doha-Runde" zu einer Einigung zu bewegen, sagte Zoellick in Berlin nach einem Treffen mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). "Es ist sehr wichtig, dass die "Doha-Runde" erfolgreich ist."

Wieczorek-Zeul betonte, dass die Armutsbekämpfung und das Erreichen der Millenniumsziele im Mittelpunkt der Arbeit der Weltbank stehen müssten. Zudem müsse sich die Finanzinstitution stärker als bisher mit den globalen Zukunftsaufgaben auseinander setzen, forderte die deutsche Weltbank-Gouverneurin. Der Kampf gegen den Klimawandel und die Förderung erneuerbarer Energien müssten zu zentralen Aufgaben der Weltbank werden. Sie stimmte mit Zoellick überein, dass für das sudanesische Darfur dringend eine Lösung gefunden werden müsse.

Treffen der künftigen Dialogpartner

Zoellick, der von US-Präsident George W. Bush als Nachfolger von Paul Wolfowitz nominiert worden war, ist derzeit auf internationaler Werbetour für seine Kandidatur. Er bereist in nur wenigen Tagen zahlreiche Länder auf mehreren Kontinenten. Dabei stellt er sich auch den europäischen Anteilseignern der Weltbank vor. Auf dem Programm in Berlin standen auch Treffen mit Finanzminister Peer Steinbrück sowie Außenminister Frank-Walter Steinmeier (beide SPD).

Wolfowitz hatte nach einer Affäre um Günstlingswirtschaft für Ende Juni seinen Rücktritt eingereicht. Zoellick war früher Vize-Außenminister sowie US-Handelsbeauftragter. Er ist bisher der einzige Kandidat für das Amt, das traditionell von den USA besetzt wird. Im Verlauf des Juni muss Zoellick noch vom 24-köpfigen Exekutivrat der Bank bestätigt werden. Die fünfjährige Amtszeit beginnt am 1. Juli. Wieczorek-Zeul nannte Zoellick einen Mann mit "großer internationaler Erfahrung und hohem Verhandlungsgeschick". Er bringe alle Voraussetzungen für den Posten des Weltbank-Chefs mit. 

WTO-Verhandlungen stecken fest

Die Verhandlungen der 150 WTO-Länder kommen seit Monaten nicht voran. Hauptstreitpunkt sind die massiven staatlichen Exporthilfen für Agrarprodukte aus Europa und den USA. Die Entwicklungsländer klagen, dass ihre Produkte gegen die hoch subventionierte Konkurrenz auf den Weltmärkten keine Chance hätten. Die Industrieländer pochen darauf, dass die Zölle für Industriegüter gesenkt und Märkte für Dienstleistungen in den Schwellenländern geöffnet werden.
Auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm hatten sich die führenden Industrieländer sowie wichtige Schwellenländer optimistisch gezeigt. Die so genannte G-4-Gruppe - die EU, USA, Indien und Brasilien - treffen sich nächste Woche in Potsdam, um eine Kompromisslinie auszuloten. Für das informelle Treffen sind mehrere Tage angesetzt. (mit dpa)