Welternährungsgipfel : Droht eine ''globale Katastrophe''?

Explodierende Preise für Lebensmittel, Hungersnöte, blutige Unruhen im Kampf um Nahrung sowie Wassermangel - dramatische Herausforderungen für Millionen Menschen. Deshalb treffen sich Staats- und Regierungschefs von über 50 Staaten zu einem Gipfel in Rom. Simbabwes Präsident wartet schon und sorgt für Aufsehen.

RomDie weltweite Nahrungsmittelkrise und die in Armenvierteln aufflammende Gewalt zwingen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon dazu, nach raschen Lösungen suchen zu lassen. 850 Millionen Menschen leiden bereits unter Hunger und Unterernährung. Die an diesem Dienstag beginnende Konferenz am Tiber soll nicht nur Geld gegen den Hunger sammeln. Gefragt sind Strategien, wie eine jährlich um 80 Millionen zunehmende Weltbevölkerung noch ernährt werden kann.

"Die Krise könnte eine globale Katastrophe auslösen": Drastisch appellieren Hilfsorganisationen wie Action Aid an die Staatenlenker, die Spirale der steigenden Nahrungsmittelpreise zu stoppen und das "Recht auf Nahrung" auch Armen zu gewähren. Zündstoff und Politprominenz sind angesagt für den dreitägigen "Food-Summit" der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Es geht auch darum, dass der Klimawandel die Not verschärft und wie dem begegnet werden kann. Ob die Agrar- Energieproduktion (Biomasse) und der Kampf gegen den Hunger zusammenpassen, ist ein andere Frage.

Der Papst empfängt keinen der Staatschefs

Die Staatschefs Brasiliens, Ägyptens und Frankreichs, Luiz Inácio Lula da Silva, Husni Mubarak und Nicolas Sarkozy, geben vor allem der Suche nach Zukunftsstrategien Gewicht. Für Schlagzeilen und diplomatische Unruhe schon vor Tagungsbeginn sorgten allerdings der umstrittene Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe, der mit einem kleinen Heer von Sicherheitsleuten anreiste. Die britische Regierung hat die Teilnahme des simbabwischen Präsidenten an der FAO-Welternährungskonferenz in Rom als "höchst bedauerlich" bezeichnet. Mugabe habe durch seine Politik zu den aktuellen Versorgungsengpässen in Simbabwe beigetragen.

Auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad wird am Romer Gipfel teilnehmen. Dass der Iraner, der massiv gegen Israel Front macht und den Holocaust infrage stellt, beim deutschen Papst eine Audienz erhalten könnte, beschäftigte Rom tagelang. Jetzt ist klar: Benedikt XVI. empfängt keinen der angereisten Staatschefs.

John Powell vom Welternährungsprogramm (WFP) spricht von einem "neuen Gesicht des Hungers" und rechnet nicht mit einer Entspannung an der Preisfront. Der arme Teil der Welt wird laut FAO in diesem Jahr für 169 Milliarden Dollar (108 Milliarden Euro) Lebensmittel einführen müssen. Das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Das WFP hatte in einem Hilferuf um 755 Millionen Dollar (488 Millionen Euro) an Finanzhilfe gebeten und auch Zusagen erhalten. Doch es mangelt weiterhin an Geld. Es gilt, die schlimmste Not zu lindern und dann gezielt Schulkindern, Schwangeren, Alten und Kleinbauern zu helfen.

Blutiger Kampf um Nahrung

"Die dramatische Lage führt uns vor Augen, dass die früheren Verpflichtungen zu einem beschleunigten Kampf gegen den Hunger nicht eingehalten worden sind“, kritisiert FAO-Generalsekretär Jacques Diouf die reichen Staaten. Angefacht von steigenden Ölpreisen ist es in Dutzenden von Ländern seit Jahresbeginn zu teilweise blutigen Unruhen im Kampf um Nahrung gekommen. Die FAO sieht 22 Länder als besonders betroffen an, in denen chronischer Hunger weit verbreitet ist und Nahrung wie auch Treibstoff importiert werden müssen. Zu den Ländern gehören Eritrea, Niger, Haiti, Liberia sowie die Komoren. Etwa 1,7 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) braucht die FAO als erste Hilfe für Kleinbauern, etwa für Saatgut, Düngemittel und Tierfutter.

"Es besteht die Gefahr, dass die Hungrigen noch um viele Millionen zunehmen werden“, und zwar trotz der 2008 erwarteten Rekord-Getreideernte, warnt Hafez Ghanem von der FAO. Auf einer Art Gegengipfel wollen regierungsunabhängige Organisationen in Rom klar machen, wer und was in ihren Augen die Krise verursacht hat – die Industrieländer und die Industrialisierung der Landwirtschaft. Ihrer Meinung nach zahlen die Bauern, Fischer und ländliche Regionen die Zeche. Auch für die Folgen der Treibhausgase und des Klimawandels. (sgo/dpa/AFP)