Der Tagesspiegel : Weltkriegswaffen ausgegraben: Nach Munitionsfund Ermittlungen gegen sechs Beteiligte

Claus-Dieter Steyer

Im Erdboden vergrabene Waffen und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg sind offenbar erneut in falsche Hände geraten. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt gegen sechs Personen im Alter von 24 bis 39 Jahren wegen des Verdachtes des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, teilte Sprecherin Sigrid Komor gestern auf Anfrage mit. Nach den Waffen soll illegal gegraben und getaucht worden sein. "Wir prüfen noch, ob die gefundenen Waffen funktionsfähig sind oder ob es sich nur um Schrott handelt", sagte Komor. Nur wenn es wirklich Waffen seien, läge ein Verstoß gegen das Gesetz vor.

Seine besondere Brisanz erhält der Fall durch einen offensichtlich professionellen Tippgeber. Zu den sechs ermittelten Personen gehört ein Angestellter des Staatlichen Munitionsbergungsdienstes Brandenburg. Möglicherweise hat er seinen Mittätern die Fundorte der Waffen beschrieben oder sogar selbst das Kommando beim Graben oder Tauchen übernommen. Genauere Angaben wollte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft gestern noch nicht machen. Das Brandenburger Innenministerium als Aufsichtsbehörde des Munitionsbergungsdienstes bestätigte den Vorfall. Ein Angestellter des Dienstes sei bis zur Klärung der Angelegenheit freigestellt worden, hieß es in Potsdam.

Auf die Waffenfunde war die Polizei bei der Durchsuchung von Wohnungen in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gestoßen. Die Aktionen fanden schon am Donnerstag und Freitag vergangener Woche statt. Bisher konnte die Staatsanwaltschaft noch nicht feststellen, aus welcher Brandenburger Gegend die beschlagnahmten Sachen stammten. Rund zehn Prozent der Brandenburger Landesfläche waren 1989 in militärischer Hand. Nationale Volksarmee, Grenztruppen und vor allem die russischen Streitkräfte hatten große Gebiete zu Truppenübungsplätzen erklärt. Eine systematische Suche nach Blindgängern oder Waffen hatte hier nie stattgefunden.

Noch heute sind weite Teile der Flächen für die öffentliche Nutzung gesperrt. Nur der Munitionsbergungsdienst - er beschäftigt rund 80 Mitarbeiter - und von ihm beauftragte Firmen haben Zutritt. Nach der Wende waren Waffen und andere militärische Utensilien aus der Gegend um Halbe, südlich Berlins, von illegalen Schatzsuchern gefunden worden.

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