Weltmeister von 1990 : "Die Burschen können auch Fußball denken"

Franz Beckenbauer feiert die Spieler der WM'90 als "goldene Generation", die es mittlerweile als Trainer gepackt hat. Diese profitieren von einem "Sonderlehrgang für verdiente Nationalspieler".

HamburgAls Spieler waren sie Weltmeister, als Trainer haben sie höchst unterschiedliche Erfolge gefeiert. Während Jürgen Klinsmann den Deutschen ein Sommermärchen bescherte und Rudi Völler zum Liebling der Massen wurde, warten ihre Ex-Teamkollegen Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Kohler noch auf den großen Coup. Doch zumindest ihr einstiger WM-Teamchef Franz Beckenbauer stellt den Helden von 1990 eine gutes Zeugnis aus: "Sie haben es als Trainer gepackt", urteilte der "Kaiser" über seine "goldene Generation" in der "Bild"-Zeitung. "Die Burschen konnten nicht nur Fußball spielen, sie können auch Fußball denken." Mehr als die Hälfte der 22 Weltmeister von Rom hat sich schon als Coach oder Funktionär im Profi-Geschäft versucht.

"Lothar ist ein hervorragender Trainer"

Dass ausgerechnet sein WM-Kapitän Lothar Matthäus als Trainer nur schwer in Gang kommt, spreche nicht gegen dessen Qualitäten, sagte Beckenbauer zwei Tage nach Matthäus' Entlassung bei Red Bull Salzburg. "Lothar ist ein hervorragender Trainer, und ich hoffe, dass er bald einen Club findet, wo er seine Ideen verwirklichen kann." Doch es könnte nach seiner Zeit in Ungarn (2004/2005) auch wieder eine Länder-Auswahl werden. Der tschechische Verband CMFS bestätigte Gespräche mit Matthäus. Falls das EM-Qualifikationsspiel gegen Irland im September "nicht erfolgreich ausgehe", müsse Nationalcoach Karel Brückner wohl gehen, sagte CMFS-Vize-Präsident Vlastimil Kostal: "Matthäus könnte dann durchaus ein Kandidat für die Nachfolge sein."

In der Mozart-Stadt würde Brehme Nachfolger seines langjährigen Mitstreiters werden. Wie schon beim VfB Stuttgart in der Saison 2005/2006 könnte der Siegtorschütze des WM-Finales dort Giovanni Trapattoni assistieren. Zuvor hatte Brehme als Cheftrainer in Kaiserslautern und Unterhaching wenig Erfolg.

Andreas Möller fängt in der vierten Liga an

Ebenso erging es bislang seinem einstigen Verteidiger-Kollegen Kohler. Nach einem Kurz-Engagement als deutscher U21-Nationaltrainer fing der 41-Jährige Ende 2005 beim MSV Duisburg an - nach nur fünf Monaten war wieder Schluss. Seitdem ist Kohler auf Jobsuche. Rosiger sieht die Situation für Guido Buchwald aus. Nachdem er dank des Double-Gewinns mit Urawa Red Diamonds in Japan zum "Trainer des Jahres 2006" gekürt wurde, vertraut ihm Alemannia Aachen das Unternehmen "Wiederaufstieg" an.

Neben Buchwald sind derzeit noch Thomas Häßler (Assistent von Nigerias Nationaltrainer Berti Vogts), Andreas Köpke (Torwart-Trainer der DFB-Auswahl) und Pierre Littbarski (Avispa Fukuoka in Japan) als Coach im Geschäft. Der einstige Mittelfeld-Motor Andreas Möller will sich vom 1. Juli an beim Viertligisten Viktoria Aschaffenburg Meriten erwerben: "Hier kann ich zeigen, was ich als Trainer kann. Ob es später einmal als Coach in die Bundesliga geht, wird man sehen."

"Kommen da rein, weil sie einen großen Namen haben"

Für den 62-maligen Nationalspieler Thomas Berthold ist es nicht verwunderlich, dass viele seiner Ex-Teamkollegen an die Seitenlinie gewechselt sind. "Viele kommen da irgendwie rein, weil sie einen großen Namen haben", sagte der 42-Jährige. Sie hätten den Vorteil, einen großen Erfahrungsschatz zu besitzen und mit den besten Trainern zusammengearbeitet zu haben. "Da pickt man sich von jedem das Beste raus", sagte Berthold, der selbst "keine Ambitionen" im Fußballgeschäft mehr hegt.

Der Einstieg in die Karriere nach der Karriere wurde den 90er-Weltmeistern leicht gemacht. Wie viele Europameister von 1996 profitierten sie von einem "Sonderlehrgang für verdiente Nationalspieler": Innerhalb von nur sechs Wochen konnten sie die höchste Trainerlizenz, den Fußball-Lehrerschein, erwerben. Zu den Absolventen zählten unter anderen Klinsmann, Brehme und auch der heutige DFB-Sportdirektor Matthias Sammer.  (mit dpa)