Albert II. und Charlene Wittstock : Monaco freut sich auf Fürstenhochzeit

Am Freitag heiratet Albert II. seine Lebensgefährtin Charlene Wittstock – starke Frauen prägten das Fürstentum Monaco seit jeher.

Bettina de Cosnac[Monaco]
Auf der Guckkastenbühne eines kleinen Reichs: Charlene Wittstock und Albert II. Fotos: Reuters, AFP
Auf der Guckkastenbühne eines kleinen Reichs: Charlene Wittstock und Albert II. Fotos: Reuters, AFPFoto: REUTERS

Albert II. von Monaco ist sehr nett. So nett, höflich und zurückgenommen, dass er bei internationalen Gipfeltreffen von Teilnehmern gefragt wird: „Und wer sind Sie?“ „Ich gehöre zur monegassischen Delegation“, pflegt er leise lächelnd zu antworten.

Ob diese Anekdote wirklich stimmt, weiß niemand. Er selber erzählt sie aber gerne. Er weiß schließlich, wer er ist: 14. Fürst eines der kleinsten Länder der Welt. Dass dieses kleine Land in der Welt immer bekannt war, hat viel mit den Frauen zu tun, die die Fürsten heirateten. Die Hochzeit von Rainier III. mit Grace Kelly im Jahre 1956 verhalf dem kleinen Fürstentum zu jenem Glamour, der Spieler, Glücksritter, Spekulanten, Investoren und viele Reiche anzog. Rainier schaffte damit den wirtschaftlichen Aufstieg seines kleinen kahlen Felsens.

Davon profitiert auch der Sohn, der heutige Regent Albert II. Der 53-Jährige hat lange gebraucht, um sich auf eine Heirat einzulassen, jahrzehntelang genoss er die Vorzüge der Freiheit, viele Affären und Liebschaften wurden ihm nachgesagt, schon zwei Mal wurde er Vater.

Am Freitag ist es soweit. Albert II., Fürst von Monaco, heiratet die mehrfache südafrikanische Goldmedaillengewinnerin Charlene Wittstock, mit der er seit mehreren Jahren liiert ist. Zuerst heiraten sie am Freitag standesamtlich, am Tag darauf kirchlich. Es wird ein für eine kleine Monarchie großes Fest werden.

Klein war das Fürstentum von Anbeginn. Als am 8. Januar 1297 der als Mönch sittsam verkleidete, aus Genua stammende Francesco Grimaldi, genannt „Malizia“ – Schlitzohr – Monacos Felsen vom Meer her erobert, steht hier nur eine Feste. Aber sie liegt strategisch günstig und ihr kleiner Hafen ist als „Portus Herculis Monaeci“ seit dem 5. Jh. v. Chr. bekannt. Sagenumwoben soll Halbgott Hercules hier einige seiner Heldentaten vollbracht haben. Ein gutes Zeichen. Malizia setzt seinen intelligenten Cousin Rainier als ersten Herrscher über Felsen und Feste ein. Von Stund’ an suchen die Grimaldis nur eins: die Unabhängigkeit zu wahren. Aber noch sind sie zu schwach dafür und wiederholt zeigt ihre Geschichte, dass man starke Verbündete im Leben braucht. Rainier I. (1267–1314) vermietet als „condottiere“ seine Mannen und Galeeren an bestzahlende Herrscher. Er verfolgt piratengleich feindliche Handelsflotten, die vor dem Felsen schippern. Das bringt politischen Ärger und den Verlust der Feste, die sein Sohn Charles I. 30 Jahre später zurückerobert. Dennoch geht Rainier I. als kluger Herrscher in die Dynastie ein, deren Titel und Ländereien er geschickt vermehrte. Aber er hinterlässt auch einen Fluch, den die Familie zu vergessen sucht: „Niemals wird ein Grimaldi in einer Ehe wirklich glücklich werden.“

Ausgesprochen wurde er wohl im 13. Jahrhundert von einer geraubten Flämin, die vom Fürsten vergewaltigt und anschließend zur Hexe erklärt wurde.

Tatsächlich zeichnet sich die Dynastiegeschichte durch tragische amouröse Wendungen aus. Im 17. Jahrhundert machte die nach Monaco zwangsverheiratete temperamentvolle Französin Marie-Charlotte de Gramont mit Skandalen am Versailler Hof von sich reden; viele monegassische Fürsten, darunter Honoré V. und Louis II. blieben bis ins hohe Alter Junggesellen; die heutige Generation von Caroline von Hannover und Stéphanie kannte mehrere Hochzeiten, Scheidungen und ein Witwendasein. Aber die Dynastie überlebte.

Sie wird einerseits als eines der ältesten Herrscherhäuser der Welt angesehen. Für Adelsspezialisten zu Unrecht, denn mit der Hochzeit 1715 von Marie-Hippolyte mit dem normannischen Adligen Jacques-François de Goyon, Sire de Matignon, wurde der Name über die Frauen vererbt. Ihr Mann legte seinen Namen und Wappen zugunsten der Grimaldis ab.

Sei’s drum. Die von anderen Herrscherhäusern wenig beachtete Fürstendynastie in Monaco hat eigenwillige Charaktere hervorgebracht und starke Frauen geehelicht. Zu Letzteren zählen die Frauen von Albert I., Lady Maria-Viktoria Douglas-Hamilton und Marie-Alice Heine, verwitwete Herzogin von Richelieu. Jeder strebte auf seine Weise vorwärts. Honoré II. legte sich unter dem Einfluss seines italienischen Vormunds 1612 den Fürstentitel zu. So einfach. 1633 wird dieser vom spanischen Hof anerkannt. Honoré II. gab Monaco eine eigene Währung, den Talaro, erwirkte durch einen politischen Streich die Unabhängigkeit von Spanien und das französische Protektorat. Zur Belohnung erhielt er das Gebiet Les Baux gepaart mit dem Marquis-Titel. Als flamboyanter „Sonnenkönig“ ging er in Monacos Geschichte ein. Sein Enkel und Thronfolger Louis I. gestaltete die Feste zu einem luxuriösen Palast nach französischem Vorbild. Politisch brachte er es zum französischen Papst-Gesandten. Ein dynastischer Höhepunkt.

Der in Paris aufgewachsene musische Fürst Antoine I. schließlich ehelichte aus Liebe eine Schauspielerin. Die erste in der Dynastie. Er sammelte Partituren und Taktstöcke, rief das erste Ballett Monacos und ein Orchester ins Leben. Zwei Jahrhunderte später gründete Charles III. unter dem Einfluss seiner praktisch veranlagten Mutter Caroline, geborene Gibert, das Casino. Das Glücksspiel war in Frankreich verboten. Und da Charles III. über ein seit 1861 in seinen Grenzen stark reduziertes Monaco herrschte – bestehend aus Felsen, schmalem Küstenstreifen und 1143 armen Einwohnern – suchte er wirtschaftlichen Aufschwung. Mit Erfolg: Monaco wird Riviera-Treffpunkt der Schönen, Reichen und Hochadligen.

Im 20. Jahrhundert ähnelt Fürst Rainier III. dem unternehmerischen Ahnen. Als er 1949 sein Amt antritt, sieht er sich vor einer Lebensaufgabe: der 26-Jährige will das Land aus dem Dornröschenschlaf wachküssen und, den Konservativen trotzend, Monaco in die Moderne führen. Als „Erbauerfürst“ treibt er in den 60er Jahren den Bauboom voran, setzt Hochhäuser gleich Zeigefingern an die Küste, holt Leichtindustrie in das Land. Seine Hochzeit mit Hollywoodmythos Grace Kelly lässt Monaco zu einer Legende werden. Er bleibt ein Einzelgänger. Und er erfüllt sich seinen Kindertraum: den Zirkus. Taktisch, vorausschauend und misstrauisch regiert er 56 Jahre lang, bis die Amtsgeschäfte im März 2005, sieben Tage vor seinem Tod vom Thronrat an seinen Sohn übergeben werden.

Bei aller Beliebtheit bei den Monegassen hat Albert II. es nicht leicht, sich innenpolitisch durchzusetzen und die richtigen Berater zu finden. Er wächst mit den Jahren, hoffen seine Getreuen, mit „Gottes Hilfe“ – und vielleicht mit der endlich gefundenen Frau an seiner Seite.

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